Samstag, 31. Oktober 2009

TANJA

Aus MSKPT n° 1 DER FALL MS. EL CASTILLO. ISNB 3-86516-375-0
Aus der Reihe: Ein Haufen von Vollidioten ist am Werk.

Wie aus einer langen Ekstase erwacht ließen wir widerwillig voneinander ab, als jemand wieder an die Tür klopfte, auf dass Tanja, ohne sich was anzuziehen, aufstand und sie öffnete, gerade eben einen kleinen Spalt.
Ihre Freundin stand wieder davor, kichernd sagte sie etwas auf Russisch zu ihr, daraufhin machte sie die Tür ganz auf, und beide kamen ins Zimmer.
Scheiße, mir stockte fast der Atem, denn das war für einen älteren Seemann oder gerade deswegen wirklich des Gutes zu viel.
Verdammt noch mal, ich hatte in meinem Leben einige sehr schöne Frauen gesehen und geliebt, es lag aber schon in weiter Ferne, sie waren fast alle im Nebel meines Gedächtnisses verschwunden, ich konnte mich nur noch vage daran erinnern, so lange war das schon her.
Diese beiden Himmelsgestalten aber übertrafen alles, an was ich mich erinnern konnte, sie waren einfach schön, sie wussten es und sie schämten sich nicht, ihre Schönheit zu zeigen.
Ihre Freundin, nackt, wie sie neben dem Bett stand, nahm einige Zigaretten aus der Packung, die auf dem Nachttisch lag und sie wünschte mir dabei artig und brav auf Englisch einen wunderschönen guten Morgen, sie küsste noch kichernd ihre Freundin flüchtig auf die Wange und ging von dannen.
Und ich?
Ich alter Sack lag immer noch da, ich wurde so dermaßen von ihrer unerwarteten Erscheinung überrascht, dass ich sogar vergaß, mich zu bedecken, völlig verblüfft lag ich da mit meinem Talent in Halbsiebenstellung und konnte mich wie gelähmt und hypnotisiert zugleich nicht rühren.
»Es ist schön mit dir, du alter Bär«, sagte sie, als sie wieder neben mir im Bett lag. Sie hatte sich fest an mich gekuschelt und ihren Kopf auf meine Brust gelegt. Wir lagen da wie hungrige Löwen nach einer Fressorgie, ruhig, abgekämpft und gesättigt, und doch fieberten wir schon unserem nächsten Liebesrausch, unserer nächsten Fressorgie entgegen.
»Dienstagmorgen fliege ich aber nach Hause, warum bist du bloß nicht früher gekommen, Franco? Wir hätten so eine wunderschöne Zeit zusammen haben können«, sagte sie traurig.
Tanja hatte in der Tat Recht, warum bloß nicht, warum war ich die ganze Zeit allein an Bord geblieben?
Warum war ich nur zusammen mit Bernt bei Stella am Tresen geblieben, hatte mich dort voll mit Bier gepumpt und mir über ein Schiffswrack Gedanken gemacht, oder mich auf Sachen eingelassen, von denen ich nicht viel wusste und die sehr gefährlich waren?
»Ich will dir reinen Wein einschenken, Tanja, der wahre Grund, warum ich nicht zu dir gekommen bin, ist, dass ich Angst wegen unseres Altersunterschieds hatte. Ich bin für zu lange Zeit schon allein gewesen, und über fünfzig bin ich auch schon, wenn ich mich in dich verknallt hätte, so wär ich ziemlich dumm dagestanden, begreifst du das, Mädel?«, antwortete ich etwas unbeholfen, als ich sie sanft auf ihre Haare küsste.
»Seid ihr Männer aber blöd«, sagte sie nur kopfschüttelnd.
»Blöd oder nicht blöd, junge Dame«, antwortete ich spontan, während ich sie losließ und nach den Zigaretten auf dem Nachttisch fischte, »ich mach dir einen Vorschlag. Montagmorgen werde ich nach Amsterdam fliegen, lass uns mal das Wochenende gemeinsam in der Stadt verbringen, wir nehmen uns ein Hotelzimmer und sind doch letztendlich für ein paar Tage zusammen, einverstanden?«
Mit einem kleinen lustigen Schrei der freudigen Überraschung glitt die Kleine wie eine Gazelle aus dem Bett und fing an, mit langen Schritten im Zimmer auf und ab zu gehen.
Sie war aufgeregt, man konnte es ihr ansehen, sie ging hin und her, sprach leise auf Russisch vor sich hin und skandierte dabei jedes Wort, das sie aussprach, mit beiden Fingern in der Luft.
Himmel, war sie schön, mittlerweile kannte ich jeden Millimeter dieser russischen Göttin, die vor meinen Augen hin und her tanzte.
Dieses wunderschöne Wesen hatte wahrscheinlich die Kraft, Tote zu erwecken, denn ich wollte sie wieder in meinen Armen haben, deshalb stand ich auf und ging auf sie zu.
Sie sah meine Erregung und blieb lächelnd vor der Fensterbank stehen, Sie legte ihre Arme um mich und drückte sich mit all ihrer Kraft an mich, lehnte sich auf die Fensterbank und öffnete ihre Beine.
»Spasiba stasny Niedzwiec, wir werden bis Montag zusammenbleiben«, hauchte sie mir ins Ohr, bevor wir wieder eins wurden.
Sie hielt sich mit beiden Händen auf der Fensterbank gestützt und hatte ihren Kopf weit nach hinten gelegt, ihr blondes Haar hatte sich mit dem Rot der Vorhänge vermischt, ihr Busen hob und senkte sich im frenetischen Rhythmus ihres Atems, wie eine wilde Katze saß sie da und schaute mich mit halb geöffneten Augen an.
»Was habe ich bloß in all der Zeit vermisst und nur wegen der Scheiß Seefahrerei, ich Idiot, ich bin wirklich dumm gewesen, nur an Schiffe gedacht zu haben, Tanja.«
Sie antwortete nicht, stattdessen presste sie mich noch einmal ganz fest an sich und blieb für einige wunderbar lange Sekunde ganz ruhig, in Schweiß gebadet und schwer atmend hielt sie mich fest an sich, und ich kam mir vor wie ein Gummiball auf hoher See inmitten eines tosenden himmlischen Orkans.
»Da! Du alter Bär, du bist zwar nicht mehr der Jüngste, aber stark wie ein Bär. Lass uns jetzt ein Bad nehmen, sonst kommen wir überhaupt nicht mehr weg von hier, Franco«, flüsterte sie mir außer Atem ins Ohr.
Selbst außer Atem ließ ich ihre Beine los, blieb aber vor ihr stehen. Sie saß immer noch auf der Fensterbank mit ihren Beinen um mich geschlungen.
Sie legte dann ihre Beine wieder auf den Boden und richtete sich auf.
»Komm, Franco, lass uns von hier weggehen, nimm mich bitte mit, weg von hier, lass uns aus diesem Haus endlich verschwinden.«
Wir hatten uns nach unserem gemeinsamen Bad angezogen und wollten gerade aus dem Zimmer gehen, um bei Stella an der Bar zu frühstücken, als wieder mal jemand an ihre Tür klopfte. Kurz davor hatte ich ihr 300 DM geben wollen, sie aber hatte nur einhundert davon genommen, um den Fürst Metternich bei der Mama-san zu bezahlen und mir den Rest zurückgegeben.
»Nein, Tanja, der Rest ist für dich, kauf dir etwas Schönes dafür«, hatte ich ihr gesagt.
»Njet!«, hatte sie mir daraufhin geantwortet, »ich hab's hier mit all den anderen nur für Geld gemacht, ich hab die Augen zugemacht, es geschehen lassen und dabei wie tot dagelegen und nichts dabei gespürt. Es gab Momente, wo ich mich vor mir selbst geschämt habe, es gab aber auch einige schöne und nette junge Männer dabei, die haben mich angehimmelt, einige davon waren sogar in mich verliebt, sie bedeuteten mir aber nichts. Sie alle bedeuteten mir nichts, mit dir ist es was anderes, du kannst mir selbst in der Stadt was kaufen, von dir will ich kein Geld, alter Bär, ich hab's hier nur fürs Geld gemacht, jetzt tue ich es, weil ich es will, und ich will es mit dir tun.«
Darauf hatte ich sie sanft auf die Stirn geküsst und das Geld wieder weggesteckt, mir aber vorgenommen, ihr doch in der Stadt etwas Nettes zu schenken.

Henk stand vor der Tür, er war auch frisch gebadet und bereit, wieder an Bord zu gehen, er winkte dabei mit seiner leeren Packung Zigaretten und ich gab ihm meine.
»Wir müssen uns rasieren, Chief«, sagte er, nachdem er sich eine Zigarette angezündet und gierig daran gezogen hatte.
»Aber erst gehen wir drüben zur Stella zum Frühstücken«, antwortete ich, nachdem ich mir selbst eine Zigarette angesteckt hatte.
»Soll ich mitkommen, oder soll ich erst gleich ein paar Sachen packen und wir treffen uns dann bei Stella, Franco?«, fragte Tanja unschlüssig.
»Pack dir mal ruhig etwas ein und komm dann gleich mit deiner Tasche zu Stella, ich werd so lange dort auf dich warten«, hatte ich ihr geantwortet und flüchtig ihre Wange geküsst, als sie mich strahlend vor Freude daraufhin aus dem Zimmer geschoben hatte.
»Dann raus mit dir, alter Bär«, sagte sie noch und leise vor sich singend machte sie die Tür hinter mir zu.
»Hallöchen, Kinder, was geht hier mit euch beiden vor?«, fragte Henk überrascht.
»Komm, Henk, ich erklär dir das gleich beim Kaffee«, antwortete ich und ging die Treppen hinunter. Er folgte mir und unterwegs zur Alexandra Bar erklärte ich ihm, was ich vorhatte, er fand das gut und meinte auch, dass es für mich besser gewesen wäre, fürs Wochenende mit Tanja ins Hotel zu ziehen als an Bord zu bleiben.
Der Rest unsere Truppe war überraschenderweise noch nicht da, die Stella war an dem Morgen alleine im Lokal. Das wunderte mich zwar, fand es aber, insbesondere was Bernts morgendliche Saufereíen betraf, vollkommen in Ordnung.
Henk bestellte gleich zwei Cappuccini und zwei Brötchen mit Schinken und ohne Zeit zu verlieren rief ich den Agenten an und bat seine Sekretärin, mir ein Zimmer für zwei Personen in einem guten Hotel zu reservieren.
Dabei bat ich sie auch nachzusehen, ob es möglich war, meinen Flug von Montag auf Dienstag umzubuchen, sie stellte keine Fragen, sie bat mich nur, sie in zehn Minuten wieder anzurufen und erst dann setzte ich mich neben Henk an die Theke, wo mein Frühstück schon auf mich wartete.
Die effiziente und kompetente Dame hatte zehn Minuten später nicht nur ein Hotelzimmer für mich, sondern auch meinen auf den Dienstagmorgen umgebuchten Flug nach Athen und von dort aus zwei Stunden später weiter nach Amsterdam parat. Ich bedankte mich und versprach ihr vor meinem Abflug, mich noch kurz bei ihr im Büro zu melden.
Beim Frühstück schien Henk in Gedanken abwesend zu sein, dann aber kam point-blank die Frage, von der ich wusste, das sie zwangsläufig kommen musste.
»Bevor du von Bord gehst, möchte ich von dir gerne wissen, ob du auch wieder zurückkommst, Franco.«
Seine Frage war ehrlich, und da ehrliche Fragen auch eine ehrliche Antwort verlangten, sagte ich ihm endlich, was ich von dieser ganzen Geschichte hielt.
»Das steht wohl in den Sternen, Henk, das gesamte Unternehmen ist so unrealistisch, aber so was von bestialisch schwachsinnig, dass ich, falls ich nicht dabei wäre, es gar nicht glauben würde.
Es kann nicht wahr sein, denn alles, was wir brauchen, aber auch alles, Henk, können wir bei dem Eisenwarenhändler hier im Dorf finden, alles, verstehst du nicht? Der Mann hat alles in seinem Laden, wozu denn nach Rotterdam fliegen, um etwas zu kaufen, das wir hier im Dorf kaufen können? Und die Tanks können wir auch selbst bauen, die hätten sogar schon lange im Cabo Verde gebaut werden können, wozu denn die Tanks aus Rotterdam kommen lassen? Das alles hier ergibt keinen Sinn, Henk, denn diese Reise ist nicht machbar. Henk, sag du mir lieber, was ich von dem alles hier denken soll«, fragte ich gleich hinterher.
Er trank seinen Kaffee mit Milchschaum, aß sein Brötchen, zündete sich dann eine Zigarette an und bestellte sich gleich darauf noch ein Brötchen. Erst dann spürte ich selbst Hunger und fing, während ich auf seine Antwort wartete, in aller Ruhe an zu frühstücken.
»Auch eine Mittelmeerreise nicht, Chief?«, fragte er mich nachdenklich.
»Das Schiff ist alles, denn es ist nicht der Schiffsrumpf, der mir Sorgen macht, das gesamte Rohrwerk im Maschinenraum ist auch alle, du hast es selbst erfahren, wie es ist, wenn ein Seewasserrohr im Maschinenraum auf See zu Bruch geht. Ihr habt Schwein gehabt, denn ihr wart auch dicht unter Land und noch was, Henk, wir haben alle Seeventile dicht, wir hören nirgendwo im Maschinenraum Wasser laufen, aber das Wasser steigt in den Bilgen. Also haben wir entweder ein Rostfraßloch im Rumpf oder eine Schweißnaht hat einen Riss, wie auch immer, es wird mit der Zeit noch größer werden. Bekommt das Schiff aber noch einen Rohrbruch dazu, dann ist es eigentlich egal, wo du bist, im Indischen, im Atlantischen Ozean, hier in der Bucht oder an der Pier, das Schiff kann dadurch absaufen. Der einzige Unterschied ist, dass du hier vor der Haustür bessere Überlebenschancen haben wirst als in Antarktika.«
Um ehrlich zu sein, ich spürte keine Lust mehr, immer und immer wieder dieselben Fragen beantworten zu müssen.
Immer und immer wieder dieselbe Erklärungen und Vorschläge abzugeben.
Mir stand alles bis zum Hals, ich wollte nur noch weg, weg von hier, weg für ein paar Tage mit Tanja und danach nach Rotterdam fliegen. Dort wollte ich für eine Weile in dem Algarve Hotel bleiben, wo, so war ich mir sicher, mich die Nachricht von dem Aus und Vorbei des gesamten Deals erreichen würde − ich hatte schlicht und einfach die Schnauze voll.
Henk hatte sehr aufmerksam zugehört, er schaute sich unschlüssig um, er wollte etwas sagen, das war mir klar, es schien mir aber auch, dass er nicht so recht wusste, wie er damit anfangen sollte, dann aber kam er doch damit raus.
»Du hast Recht, Chief, dies hier scheint doch ein verkapseltes Spiel zu sein, ich hab mir auch meine Gedanken darüber gemacht, ich glaube, dass ich mir noch eine Woche diese Sache hier ansehe, dann aber werden Joss und ich nach Hause fliegen. Dieses Schiff ist gefährlich, wir werden irgendwo mit all den Ratten jämmerlich absaufen. Der Kapitän soll gefällig selbst zusehen, wie er aus dieser Scheiße hier rauskommt. Wahrscheinlich hast du selbst mit deinen Frischwasser- und Schmierölanfragen das Unternehmen zu einem schnellen Ende gebracht. In der Tat, Franco, keiner von uns hat noch nicht mal im Traum gedacht, dass so ein erfahrener Mann so einen Schrotthaufen, der noch nicht mal genügend Schmieröl und Frischwasser bunkern kann, kaufen würde.«
»Du hast den Proviant vergessen«, erinnerte ich ihn. Er schaute mich nur an und fing an zu lachen.
Wir blieben für eine Weile einfach da sitzen ohne zu sprechen. Stella hatte, wie immer um die Zeit, sich ans Fenster gesetzt und las ihre Zeitung und kam nur rüber zu uns, wenn wir etwas bestellten.
Henk und ich wussten auch nicht so recht, wie wir unsere Begegnung beenden sollten, so verrückt war diese Geschichte.
»Hat einer der Inspektoren dich nach deiner Adresse gefragt?«, wollte er auf einmal wissen.
»Ja, das hat er«, hatte ich ihm geantwortet und ebenfalls erklärt, dass der Wirt von La Grotte, meiner Stammkneipe in Rotterdam, fast immer wusste, wo ich zu finden war.
»Wenn das so ist, dann bestelle bitte Kelly viele Grüße von mir, Chief, dort werden wir auch nach dir suchen und uns irgendwann auch dort vielleicht wiedersehen.«
»Der alte Sack scheint fast wie ein Erkennungswort zu sein«, sagte ich daraufhin lächelnd und war überhaupt nicht erstaunt, dass Henk Kelly kannte.
»In der Tat, Franco, Kelly kennt viele Leute, aber er hat nur wenige Freunde«, bestätigte er daraufhin.

»Bis heute sind um die 600.000 DM für das Schiff ausgegeben worden und was wir dafür bekommen haben, ist ein Totenschiff. Die Auftraggeber werden ganz bestimmt auch Fragen stellen und der Deal irgendwann abblasen, da bin ich mir jetzt fast ganz sicher, Chief, dieses Spiel hier ist der glatte Wahnsinn.«
»Ich weiß es nicht so recht, Henk«, gleichzeitig gab ich Stella ein Zeichen, uns mit noch zwei Brötchen und Cappuccini zu versorgen und zündete mir eine Zigarette an.
»Das begreif ich jetzt nicht, was meinst du damit?«, fragte Henk etwas perplex.
Nun war es so weit, denn ich wusste nun, dass ich als Kellys Freund sein Vertrauen hatte, wie er wiederum als sein Freund meins hatte. So konnte ich ihm sagen, was mir seit einiger Zeit schon durch den Kopf ging und ich zu niemandem, noch nicht mal zu Bernt, gesagt hatte.
»Dies hier ist ein meisterhaft inszeniertes Tarn- und Täuschungsspiel, Henk, nenn es Theater, nenn es Zirkus, dies hier ist für mich ein Luftballon. Zuerst fing der Cesar an, mehr Geld hier im Dorf auszugeben als manche hier noch nicht mal im Monat verdienen, und das jeden Tag, tagaus, tagein, und zu sprechen, Henk, jeder im Dorf weiß nun, was das Schiff tun soll, er hat' s herumerzählt, Henk. Gestern Abend sind wir alle mehrmals fotografiert worden, einige der Leute, die uns geknipst haben, waren Truppenbetreuer, Henk, keine blauäugigen Jungs, es waren Nachrichtenoffiziere, Militärnachrichtendienst, Henk, einer davon war Israeli, okay, Henk? Und so, denke ich, während wir uns hier auf dieses Schiff konzentrieren und jeder hier auf uns die Augen draufhält, was macht der Kapitän? Er lässt das wahre Schauspiel über eine andere Bühne mit einem besseren Schiff laufen, ich bin mir sicher, dass, sobald ich mich von Rotterdam aus melden werde, man mir alles Gute wünschen und Tschüss sagen wird. Es ist vorbei, Henk, das hier ist und war von Anfang an ein totgeborenes Kind,« sagte ich mit felsenfester Überzeugung.
»Deine Vermutung über ein Doppelspiel habe ich schon einmal gehört, Franco, vor ein paar Wochen, nämlich in Amsterdam. Sollte das hier wirklich der Fall sein, dann hat unser lieber Herr Kapitän ein Problem am Hals, ein sehr große sogar«, antwortete er sofort ohne Wenn und Aber.
Wir machten eine Pause, was hätten wir uns noch sagen können? Er, der Waffenschmuggler, und ich, der gestrandete Seemann, was könnten wir uns noch sagen?
Henk schaute nachdenklich nach draußen und ich beobachtete ihn. Ich sah zu, wie er bei Stella zwei Biere bestellte, wie er sich eine Zigarette drehte, wie er sich die Zigarette anzündete und wusste nach all den Wochen, die wir uns kannten, immer noch nicht, was ich von diese Mann um die fünfzig halten sollte.
Ehemann, Familienvater, anständiger, sein Vaterland liebender Holländer und königshaustreu, aber auch Waffenschmuggler und eventueller internationaler Terroristenhandlanger und -helfer zugleich.
Mein Gott, was für eine gebündelte Mischung aus gutbürgerlichem Leben und politischer Kriminalität in ihm vereint war.
Parteipolitisch, so schien mir, war er neutral, er hatte keine politischen Ideale, er war Holländer, er liebte sein Land über alles, und das war für ihn genug.
Politik oder sozialpolitische Probleme waren nicht sein Bier, er war Holländer und basta − wie und wo er sein Geld verdiente, waren nach seiner Auffassung einzig und allein seine Säcke.
Er träumte, sich eines Tages ein eigenes Schiff kaufen zu können, und jedes Mittel war ihm recht, um an das nötige Geld ranzukommen, sein Recht.
All die anderen, die „wahren“ Täter und ihre Opfer waren ihm schnuppe. Dafür hätte ich ihn verachten müssen, ihm meinen Ekel für seine Handlungen und Gedankenweisen ins Gesicht schleudern. Ich konnte es aber nicht, denn ich war derjenige, der mit allen Mitteln versuchte, das Schiff seeklar zu machen.
Denn so wie er der Mittel zum Zweck einiger islamischer Terroristen war, so war ich sein Mittel zum Zweck, um die Unternehmung erst recht zu ermöglichen, darum konnte ich nicht den ersten Stein werfen.
Sollte ich mir aber aus meiner Gedankenfolge eine Entschuldigung oder einen Grund für meinen Willen dieser Reise nach Bosnien doch mit meiner Arbeit, zu ermöglichen, so würde es mir in Anbetracht der dortigen Situation gar nicht mal allzu schwer fallen.
Ich fand die NATO-UNO-Blockade um Jugoslawien, die ausschließlich den Serben half ihren Völkermord an den Bosniaken weiter, zu führen, der vor den Augen der gesamten Welt stattfand und erst recht ermöglichte, ein Verbrecher gegen die Menschheit.
Jedes Volk hatte das Recht auf Selbstverteidigung, auch das bosnische.
Hätte ich ein gutes Schiff gehabt, so hätte ich die Reise gemacht, und das aus Überzeugung und nicht nur des Geldes wegen.
Was mich an ihm störte, war seine Bereitschaft, eventuell, falls die Reise für Bosnien abgeblasen werden würde, für Herren wie Gaddafi und seinen Sozius, den Arafat, zu arbeiten, quasi nach dem Motto: Noch ein bisschen Sprengstoff nach Europa, damit noch ein Passagierflugzeug im Flug explodieren kann oder eine Diskothek − oder wie wär‘s mit einem Supermarkt oder einer Synagoge? Noch eine Ladung Waffen für die IRA in Irland oder die Basken in Spanien, und weil wir gerade dabei sind, warum nicht einen Abstecher nach Korsika machen? Die Leute dort werden bestimmt über kurz oder lang weiteren Nachschub brauchen.
Dies alles natürlich im Namen der Freiheit, der Freiheit der Terroristen, der Freiheit der Anarchisten oder die der Willkür der Diktatoren.
Egal, wie ich es drehte, ich konnte Henk nicht anklagen, nein, ich konnte den Mann nicht anklagen, ansonsten hätte ich mich selbst und mit uns beiden die gesamte Menschheit anklagen müssen.
Sind wir, die westlichen Nationen, mit unseren nationalpolitischen Interessen, mit unseren Politikern, die auch Leuten wie Arafat die Hände schütteln und ihm einen Nobelpreis verpassen, nicht alle wie Henk?
Versuchen unsere Staatsmänner etwa nicht, ihre Handlungen, ihre persönlichen und partitokratischen Belange mit dem Schleier der nationalen Interessen zu verschleiern, indem sie Arafat unterstützen?
Sind die nicht allesamt wie Henk?
Wo zum Teufel noch mal ist der Unterschied zwischen Henk und den linken politischen Puritanern dieser Welt, die das Bombardieren des Gaddafi-Palastes in Tripolis durch die USA-Flugzeuge nach dem La-Belle-Attentat in Berlin und der Zerstörung der PAN-AM-Maschine über Schottland ein Verbrechen nannten?
Man müsste jetzt die Meinung der Kinder dieser Welt hören und zwar auf beiden Seiten, auf dieser sowie auf der anderen Seite, von den ideologischen Barrieren.
Wir müssten die Kinder Jugoslawiens, die Kinder Israels, die Kinder Palästinas und die aus Angola und Mosambik fragen, was die von uns denken, denn in meinen Augen können nur die uns anklagen, aber nicht nur den Henk oder mich, sondern uns alle.
Wir Christen und wir Muslime, wir westlichen und wir abendländischen Völker, denn alle gemeinsam sind wir nichts anderes als die vielen namenlosen Henks. Gefangene der Lichter unserer Städte, Opfer und Schuldige zugleich, Treiber und Gejagte und über Kinderleichen hinweg, Macher und Zerstörer unserer Zivilisationen und das alles, verdammt noch mal, verschleiert durch den Schleier der nationalen Interessen oder denen des Glaubens, aus reiner, purer Geld- und Machtgier.
Nur die Kinder dieser Welt könnten uns anklagen, denn all die anderen, die sogenannten Erwachsenen, die Zivilisierten, die guten Christen und guten Muslime sollten, alle wie die da sind, gefälligst ein für allemal die Schnauze halten.
In tiefer Demut sollten sie alle zu Gott beten, damit sich das Blatt nicht wendet, denn sollten Herren wie Gaddafi und Arafat eines Tages die Oberhand gewinnen, würden es viele von uns, wie Fälle wie Lockerbie in Schottland und La Belle in Berlin es uns zum Beispiel so brutal zeigten, noch nicht mal überleben.

Fortsetzung folgt

Donnerstag, 1. Oktober 2009

TANJA

Aus MSKRP n° 1 „DER FALL MS. EL CASTILLO“ ISNB 3-86516-375-0
Aus der Reihe: Ein Haufen von Vollidioten ist am Werk.

….Wenn das Dante-Inferno irgendwo eine feuchte Ecke hat, so müsste das sein, wie die Hollywood-Bar in Sousa auf der nordwestlichen Spitze Kretas sich gegen 2 Uhr morgens präsentierte.
Die Bude war rammelvoll und wir, die Möchtegern-Waffenschieber, UNO-Blockadebrecher und eventuellen islamischen Terroristenhelfer zugleich, umringt von gut und gern 50 UNO-NATO-Soldaten, tranken um die Wette, während die blauen Jungs mit ihren Fotoapparaten auf Teufel komm raus Erinnerungsfotos knipsten.
Die knipsten das Lokal, unsere „Reederei“-Inspektoren, den „Kapitän“ mit uns, mit jedem, und auch den Cesar, unseren indonesischen Motormann, der sich, angetan von so vielen knackigen jungen Ärschen, selig und wonnig in der Gegend umschaute.
Schlagartig, wie sie zu später Stunde mit ihren Bussen aus den Sehenswürdigkeiten Kretas gekommen waren, so schnell verschwanden die blauen Jungs auch wieder, und gegen 3 Uhr waren alle weg.
»Die müssen spätestens um 4 Uhr an Bord sein«, erklärte uns die Mama-san des Lokals und erst dann merkte ich, dass unsere Kameraden sich auch still und leise irgendwann aus dem Staub gemacht hatten.

In der Hollywood-Bar herrschte in den frühen Morgenstunden nach einer wirklich teuflischen Nacht wieder Ruhe im Puff.
Die britischen UNO-Marine Infanteristen auf Urlaub von ihren Einsätzen in Jugoslawien sowie die Matrosen der Royal Navy, die die lachhafte Seeblockade an Jugoslawien aufrecht hielten, waren an Bord ihrer Schiffe am Anker in die Bucht zurückgefahren, sodass wir nun die Bar für uns alleine hatten.
Gerade hatte ich die beiden Inspektoren aus Holland verabschiedet, nachdem ich denen klar gemacht hatte, dass den 45 Jahren Alte MS. El Castillo auf gar keinem Fall das geeignete Schiff war, um Waffen nach Jugoslawien zu den Bosniaken zu schmuggeln, und denen nahe gelegt hatte, sich ein besseres Schiff zu besorgen und nicht ein Wrack, das zwar mit funkelnagelneuen Zertifikaten versehen worden war, aber einfach nicht fahren könnte, weil die gesamte Anlage schlicht Schrott war.
Die hatten uns 500,- DM zum Weitersaufen gegeben und waren zurück nach Chaniá gefahren, von wo aus sie am nächsten Tag über Athen zurück nach Holland flattern wollten.
Wir, Hans und ich, saßen nun alleine an der Theke, unsere Kollegen waren vor einigen Stunden schon wieder an Bord getorkelt, wir beide hatten aber noch keine Lust schlafen zu gehen und so genehmigten wir uns den berühmt-gefürchteten „One for myself and one for the road“-Drink.
Die beiden hübschen Mädchen aus Russland, mit denen wir uns einige Male schon in den vergangenen zwei Monaten unterhalten hatten, waren immer noch beschäftigt, mit ihrer griechischen Mama-san das Lokal wieder auf Vordermann zu bringen, sie ließen uns nicht aus den Augen und waren sofort zur Stelle, für Nachschub zu sorgen, sobald unsere Gläser leer waren.
Seit einigen Stunden schon hatte ich von Bier auf Wodka mit Orangensaft umgeschaltet, das mache ich immer, denn das ist eine gesunde Gewohnheit von mir, denn wenn ich merke, dass ich mal langsam besoffen werde oder gar schon geworden bin, dann steige ich sofort auf die rettende und unterstützende Mischung aus viel Wodka auf Eis mit Orangensaft um - und je mehr ich davon trinke, desto nüchterner werde ich.

Tanja, das Mädchen, mit dem ich mich immer gerne unterhielt, kam an die Theke, als sie alle mit der Ordnungsmacherei fertig waren, und setzte sich auf den Hocker neben mir.

»Warum bist du nicht wie versprochen vorige Woche zu mir gekommen, Franco?«, fragte sie mich vorwurfsvoll, als sie ihre Ellbogen leicht in meine Rippen haute.
»Warum bloß nicht, gefalle ich dir vielleicht nicht?« fragte sie noch.
Ohne auf ihre Frage einzugehen, drehte ich mich auf meinem Hocker nach ihr um, sie tat das Gleiche auf dem ihren, unsere Knie berührten sich.
Ich hatte sie nun sitzend vor mir.

Sie mit ihrem kurzen schwarzen Kleid.
Sie mit ihren wohlgeformten nackten Beinen.
Sie mit ihrem sündhaft tiefen Ausschnitt, ihrem prallen Busen, ihrem langen blonden Haar.
Sie mit ihrer Jugend.
Sie hatte sich mit dem linken Arm auf den Tresen gestützt und schaute mich erwartungsvoll, sinnlich und herausfordernd zu gleich an.
Meine Gedanken an eine ruhige Nacht verschwanden langsam in weiter Ferne, bis sie fast nicht mehr vorhanden und wahrzunehmen waren, denn Tanja war wirklich mehr als eine Sünde wert.
Ich legte meine weit geöffneten Hände auf ihre einladenden Schenkel und schob sie langsam nach oben, ganz hoch zum Eingang ihres Schoßes, ich beugte mich zu ihr und küsste sie sanft auf die Stirn.
»Ich hatte viel Arbeit zu erledigen, Tanja, darum konnte ich nicht zu dir kommen«, sagte ich leise, während meine Hände wie von einem Magnet magisch angezogen sich ihren Weg zwischen ihre Beine bahnten.
»Njet robotti, alter Bär, du hast nur gesoffen, ich weiß es«, antwortete sie mir mit Nachdruck.
Sie richtete sich wieder auf und legte ihre Hände auf die meinen zwischen ihre halbgeöffneten Schenkel, sie drückte meine Hände tief in die einladende Wärme ihres Schoßes und presste dann ihre Beine zusammen.
Währen das ganze Lokal sie wie in ein Wechselbad aus Lichtern und Musikklängen umhüllte und die bunten Lichter der Tanzfläche auf ihrem blonden Haar tanzten, wurde mir klar, dass ich ihr hoffnungslos ausgeliefert war und, dass es mir verdammt schwer fallen würde, von ihr wegzukommen, wenn überhaupt.
Sie öffnete kurz ihre Beine wieder und gab unsere Hände frei und ich nahm ihr Gesicht zwischen meine Hände und küsste sanft ihren feuchten Mund.
»Bleib bei mir, lass mich heute Nacht nicht allein«, flüsterte sie.
»Tanja, versuch bitte, mich jetzt zu begreifen, du bist ein sehr schönes Mädchen und ich mag dich sehr, aber ich habe mich seit drei Tagen nicht mehr duschen können, weil wir auf eine neue Wasserpumpe warten, morgen aber gehe ich bei Niko ins Hotel duschen, dann komme ich zu dir, Okay?«
»Njet«, sagte Tanja resolut, sie sprang von ihrem Hocker, ging mit langen Schritten hinter den Tresen, von dort nahm sie eine Flasche Sekt, danach kam sie wieder an mir vorbei und ging langsam bis zur Tanzfläche, wo sie unter der drehenden Lichterkugel stehen blieb.

Ein fast unrealistisches Bild entstand vor meinen Augen, und während Tanja stehen blieb wie eine Statue unter der bunten Lichtquelle unter den tanzenden Lichtern, die wie sanfte Hände diese makellose Erscheinung liebkosten und wie berauscht um sie und an ihr wie kleine, lustige Kobolde, die sich an ihrer guten Fee erfreuen und dabei blitzschnell ihre Farbe von Indigo zu Grün von Gelb zu Knallrot wechseln, schien alles in mir zu explodieren, und als sie sanft meinen Namen rief, folgte ich, fast von den bunten Lichtern getragen, ihrem Ruf.
»Komm mit, du alter Bär, du brauchst ein Bad«, hauchte sie mir ins Ohr, als ich bei ihr war, um mich zusammen mit den bunten Lichtern mit ihr zu berauschen.
Wir liebten uns nicht an dem Morgen oder besser gesagt, wir liebten uns schon, aber ohne Sex.
Wir tranken nach einem wunderschönen, langen, gemeinsamen Bad unsere Flasche Sekt leer, danach lagen wir eng umschlungen im Bett.
Dort hörte ich ihr zu, wie sie mir von ihrer Heimat erzählte.
Sie sprach von ihrem Freund, dass Sie daheim in Russland bald heiraten wollte, von ihrem Willen, ihr Studium wieder aufzunehmen, um Kinderärztin zu werden und dass Sie selbst irgendwann einige Kinder haben wolle.
Ohne falsche Scham erzählte sie mir auch von ihrer Arbeit in der Hollywood-Bar und wie sie dazu gekommen war, wie toll, wie wunderschön hier im Westen alles für sie war.
Sie wollte auch irgendwann zusammen mit ihrem Freund mal nach Rom, nach Venedig, nach Paris fahren, einmal auch Berlin und den Rest von Deutschland besuchen, und ich lag nur da und hörte, , ergriffen, wortlos, ja, aufmerksam hörte ich zu, wie diese Fabelerscheinung von sich und ihren Wünschen sprach, und ich konnte nicht genug davon bekommen.
Der Klang ihre Stimme, das rhythmische Schlagen ihres Herzens, die Geborgenheit ihrer Arme, ihre Wärme, all das war wie Erlösung für meine Seele.
Nach all den Nächten an Bord der El Castillo, in Gesellschaft dicker fetter Ratten, einem fast alkoholisierten Kumpel und einer schmierigen kleinen indonesischen Tunte als Motormann, fühlte ich mich endlich wieder als Mensch.
Nach all den Ängsten und Hoffnungen der vergangenen Zeiten hatten die paar Stunden, die ich in ihren Armen verbrachte, mir wieder Mut und Hoffnung gegeben und ich war ihr sehr dankbar dafür.
Irgendwann schliefen wir doch ein, die lange Nacht, die vielen Drinks, die wir gehabt hatten, die Biere, die Wodkas mit Orangensaft und der Schampus, dies alles hatte uns jeglichen Willen abgenommen, geraubt und zerstört zu gleich.
Wir waren nur noch müde, voll wie tausendundeine Russin und wollten nur noch pennen.
Gemeinsam erwachten wir gegen Mittag, als jemand an die Zimmertür klopfte. Widerwillig zog sich Tanja das Nachthemd an, das am Boden, neben dem Bett lag, und ging schlaftrunken zur Tür.
Ihre Freundin stand davor, ebenfalls im Nachthemd, sie hatte zwei Tassen Kaffee mitgebracht, die beide unterhielten sich leise miteinander für ein paar Momente auf Russisch, dann kam Tanja wieder ins Zimmer zurück.
»Hans schläft noch«, sagte sie mir, als sie mir die Tasse Kaffee gab, ich trank gierig aus der lebensspendenden heißen Tasse, das tat mir gut, jedoch hatte ich nur noch Augen für diese makellose junge Frau, die auf der Bettkante neben mir mit ihrem durchsichtigen Nachthemd saß.
Im gedämpften Licht ihres Zimmer, als ich an dem Morgen Tanja sah, erwachte ich wie aus einem langen, nutzlosen, unsinnigen Winterschlaf, und ich wollte sie nur noch liebkosen und lieben und nie wieder allein sein.
Sie stellte ihre Kaffeetasse auf die Nachtkommode, zündete dann gleichzeitig zwei Zigaretten an und gab mir eine davon.
Für eine Weile tranken und rauchten wir, ohne ein Wort zu sagen, wir schauten uns nur an, so wie zwei Raubtiere sich vor einem Kampf um Leben und Tod belauern und überprüfen, so schauten wir uns an.
Wortlos und unbeweglich, unsere Zeit war gekommen, das wussten wir, wir hatten aber keine Eile, wir wollten nichts überstürzen, es war einfach zu schön, so wie es war, wir waren zusammen, wir wussten, dass wir uns gleich lieben würden, aber wir warteten ab, so als ob wir beide die gleiche Angst spüren würden, denselben Gedanken hatten. Nämlich, dass eine falsche Bewegung, ein falsches Wort uns diesen wunderbaren Moment der gegenseitigen Begierde für immer rauben und einfach zerstören würde.
Tanja nahm dann meine Zigarette aus meiner Hand und drücke sie zusammen mit der ihren in dem Aschenbecher aus.
Ohne mich aus den Augen zu verlieren, stand sie auf und ließ ihr Nachthemd über ihre Schulter gleiten und zu Boden fallen.
Sie war einfach wunderschön, sie wollte geliebt werden und sie ließ es mich auf diese wunderbare Weise wissen.
Sie sank zu mir ins Bett und mit ihr versank um uns der gesamte Planet, es gab nur noch uns und niemand anderen mehr.

Nix finito, von wegen hier finto, fortsetzung folgt, aber langsam, piano, piano, ein alter Mann ist ja doch kein D-Zug, oder?