venerdì 1 maggio 2009

1.MAI 2009

ICH HATT' EINEN KAMERADEN

Bei uns in die Katakomben der Erste Etage des Bremer Seemannsheims, wo wir die Glorreichen vierzehn wohnen, vor einige Zeit war trauer angesagt.
Unser langjähriger Freund und Mitbewohner Richard Deutsch hat uns nach langer schwerer Krankheit für immer verlassen.
Wer war dieser Richard Deutsch?
Richard, von uns Richy genannt war ein Seemann wie aus dem Bilderbuch.
Ein erfahrener Vollmatrose wie man sie nur aus dem „damals“ kannte.
Echte Seeleute, wie Richy konnten ihr Wissen und Können, nicht an die folgenden Generationen weiterleiten, denn, erfahrenen deutschen Matrosen wir er eine war, wurden im Laufe der Zeit durch wesentlich billigere Arbeitskräfte aus dem Fernen Osten ersetzt.
Deswegen in der heutigen Zeit sind solche Fachkräfte wie Richy , an Bord deutsche Schiffe sehr rar geworden und der Beruf der Matrosen ist deswegen faktisch, als ausgestorben zu betrachten.
Die Flatulenzen ähnliche Lamentos der VDR und dessen ehrenwerten Amigos, über mangel an qualifizierte Fachkräfte an Bord, obwohl gerade die, die Hauptschuldigen an die gegenwärtige Misere der Deutsche Seefahrt und weit über 100.000 verloren gegangenen Arbeitsplätzen klingen daher, wie die reinste Blasphemie und Verarschung.
All, dem wirtschaftlichen Schäden für Land und Leute, dass die Personalpolitik der VDR an Bord Deutschen unter Billigflaggen, aber von dem Deutsche Steuerzahler subventionierten, (sprich bezahlte) Schiffen verursacht haben, sind der beste beweis dafür.
Der mangel an qualifizierten Personal on Bord ist die Hauptursache von steigenden Unfälle und Schiffshavarien auf See.
Was P&i Klubs und Versicherungen neulich beklagen, lassen und Düsteres erahnen, denn die nächste Schiffskatastrophe oder einen durch Inkompetenz an Bord, verursachte Supergau auf See, schaut ohne weiters schon um die Ecke.

Nach seiner Ablösung durch Billigpersonal aus dem Fernen osten, war Richy, noch zu jung, um in Rente zu gehen, aber auch schon zu alt um einer vernünftigem Arbeitsplatz, an Land zu bekommen.
Für einen voll ausgebildeten Berufsmatrosen konnte an Land keine Verwendung gefunden werden und wenn ja, höchstens als Tagelöhner, mehr aber auch nicht.
In Hafenbetriebe ist es eventuell anders, aber auch dort, können Matrosen fast nur als Gelegenheitsarbeiter manchmal Arbeit finden, somit ist aber auch hier in diesem Bereich, das Ende der Fahnenstange schon erreicht worden.
Dies führte dazu, dass Richard, wie auch Tausende seiner Kollegen auch, mit gerade einmal 40 Jahren, keine Arbeit oder handfesten Zukunftsperspektiven, mehr hatte.
Er, so wie tausenden deutsche Matrosen und Schiffsoffizieren vor ihm, ging vom Schiff, während die VDR Amigos immer reicher und fetter wurden, direkt in die Arbeitslosigkeit, danach zum Arbeitslosenhilfeempfänger und später bis zum Tode, als Sozialhilfe Empfänger durch Leben.
Man kann sich also nicht wundern wenn Menschen wie er, wenn allein gelassen und auf sich selbst angestellt, und seinem eigenen Schicksal wie lästigem Ballast aus dem Schiff des leben, sozusagen über Bord geworfen , zu Flasche greifen.
Somit hat man nicht nur das Berufswissen einem ganzen Berufsstand das ruhig und ohne Sinn für Allüren, als tragender Säule der Deutsche Industrie betrachtet werden kann, zerstört.
Man hat auch feine aufrichtige Männer, die noch vieles für das Land hätten tun können, einfach verschwändet und in Vergessenheit, gleiten lassen.
Das akademische Wissen der Seefahrtschulen kann auf gar keinem Fall der Beruf des Seemanns zu junge Leute vermitteln oder beibringen, wie denn auch?
Die Hochschulen der Seefahrt können nur technisches Wissen, an angehenden Schiffsoffizieren erfolgreich weiter vermitteln, nur dann, wenn die Studenten es schon in dem praktische Arbeit an Bord erlebt und geübt haben was die verschiedenen Dozenten in den Unterrichtsstunden denen erklären, anderes geht es gar nicht.
Seefahrtschulen sind nicht da um Seeleute auszubilden, sondern Fachleute, zu unterrichten damit sie eines Tages, ihr Mitarbeiters an Bord besser und konsequent, ohne Unnötige gefahren leiten können, mehr nicht.

Im Laufe seines Lebens bewies Richy nur zu oft, dass er ein zuverlässiger Kamerad war, auf dem man sich jederzeit stützen konnte.
Er war wortkarg, aber nicht mürrisch.
Er war ruhig und wirkte manchmal distanziert, aber keineswegs gefühls- oder teilnahmslos seinen Mitmenschen gegenüber.
Der Mensch Richard Deutsch war ein ruhiger Mensch, der aufgrund seiner ihm geklaute Zukunft, irgendwann aufgehört hatte, zu hoffen und zu erstreben.
In einer solchen Situation, wo keinen haltenden Händen und keinen Horizonten mehr in Sicht sind, lassen sich Menschen wie Richy gehen und geben auf.
Ihr letzter Zufluchtsort ist dann meistens die Theke, wo sie sogar aus dem Krankenhäuser fluchten, um bei eine allerletzten Glas Bier, fern von all den Heuchlern dieser Welt, in Würde und mit Hochachtendem bedacht, in ruhe sterben zu können.

Es ist egal, wer Richard Deutsch war und es ist ebenfalls, egal wie er war.
Richy war einer von uns und er hat inmitten unter uns einen leeren Raum zurückgelassen, denn er war einer der Besten unter uns.
Ein andere wird seinem Platz in unsere Reihen suchen und finden, daher werden wir, die Glorreichen 13 aus den Katakomben dem erste Etage des Seemannsheims zu Bremen bald wieder vollzählig sein.

Es ist unbedeutend wer von uns, wer als Nächste ins Graß beißt und geht, denn es wird immer, der Besten von uns gewesen sein und seinem leeren Platz, die er zurück gelassen hat, wird für eine weile noch, wieder sofort besetzt werden.


DIE DREI FREMDEN

Normalerweise gehen wir sonntags nicht in di Kirche.
Wir, die glorreichen 14 aus der erste Etage des Seemannsheim, schlafen am tag des Herren länger als sonst, denn es ist ja schließlich Sonntag ,und so war ich ziemlich überrascht, als ich an einem Sonntagnachmittag, mich unterwegs zum Sankt-Petri-Dom befand.
Was ich da genau beabsichtigte, war mir nicht klar, denn den lieben Gott, den kann ich überall finden, dafür brauch ich nicht, in eine Kirche zu gehen, trotzt dem war ich auf dem weg dorthin.
Das Würde des Doms war überwältigend.
Die Stille einfach himmlisch berauschend und Ehrfurcht und Güte einfliesend, zu gleich.
Ein junger Mann kniete auf eine der Bänke, tief versunken in seinem Gebet, neben ihm eine junge Frau und ein Kind, welche sich gelangweilt in der Gegend umschaute.
Hier und dort saßen auch ein paar ältere Damen und einige Herren.
Es herrschten Ruhe, Demut und friedliche, respektvolle Gelassenheit.
Fast wäre ich mir in so eine friedliche Weltbild wie ein Ruhestörer vorgekommen und wollte nach dem kurzen guttuenden besuch gerade gehen, als ich drei gestalten, die sich langsam im Dom bewegte, meine Aufmerksamkeit erweckten.
Neugierig und unauffällig nährte ich mich dem Trio und folgte ihnen aus sichere Entfernung.
Die drei waren Asiaten und wie di angezogen waren, kamen sie mir vor wie, Seeleute auf Landgang.
Ich war auf alles vorbereitet, denn man hört immer öfter, dass Überfälle, Besonders auf ältere Menschen an der Tagesordnung sind.
Darum war ich bei mir Vorsicht angesagt, denn man kann nicht der Dom, wegen ein paar Diebe, gleich auf dem Kopf stellen, nichts wahr?
Einer von denen sah mich und nährte sich lächelnd, sofort ging ich mental in Kampfstellung und auf alles gefasst, wartete ich gespannt, auf wohl da geschehen wurde.
Nett und freundlich, der junge Mann erklärte mir auf Englisch, dass er von den Philippinen stamme, dass er Seemann war und mit seine freunden auf Entdeckungstour durch Bremen sei.
Das Trio sucht die Kirchenmaus im Dom und fragte mich ob ich wüsste wo sie sei.
Ja, mit vereinigten kräfte, fanden wir die Maus in Dom und währen sie freudestrahlend einige Erinnerungsfotos knipsten, schämte ich mich ein wenig, denn ich hatte mich von ihrem äußerlichen Erscheinung verleiten lassen und sie falsch einzuschätzen, nur weil sie anders waren.
Es waren keine Fremden, es waren Seeleute, wie ich es einmal war und im Grunde genommen, immer noch bin.

mercoledì 1 aprile 2009

MARITIME KONFERENZ

MAß HALTEN

Wenn es hochkommt, so gibt gerade ein paar hundert Menschen auf dieser Welt, die uns, unterstützt von der rosaroten Blindheit der Politikanten, diese Wirtschaftskrise aufgetischt haben.
Die Sümpfe der Hedge-fonds, die dubiosen Geschäfte der credit default swap, der Warentermin Geschäfte, die der Aktien, wurden sogar ahnungslosen Kleinsparern von fragwürdigen Bankberatern und Angestellten, sogar alten Omas und Opas aufgeschwatzt, und haben tiefe Wunden in der Bevölkerung interlassen.
Viele ältere Ehepaare wurden sogar von denselben Banken und Sparkassen, wo sie ein Leben lang treue Kunden waren, um ihr Sterbegeld gebracht, so weit ist man schon.
Es ist nicht nur schlimm, in meinen Augen ist es auch bewusste Irreführung und in vielen Fällen sogar strafbar, besonderes dann, wo bei ganz alten Menschen der gute Herr von der Bank, der, der immer so nett und zuvorkommend gewesen ist, der, der das Vertrauen der Leute missbraucht hat, ihnen durch Vorspielung halber Tatsachen faule Geldanlagen aufgeschwatzt hat.

Hierzu passen die folgenden Seiten „EIN HAUFEN VON VOLLIDIOTEN IST AM WERK“
Aus MSKR N° 5: VON ANDEREN GESCHISTTEN UND EPILOGEN – März 20003

… denn das bedeutet aber auch, dass die Demagogie des eigennützigen Denkens schon in den Gehirnen des kleinen Mannsbildes ungezügelt herumläuft.
Das selbstische unterwürfige und meistens blauäugige Denken vernebelt aber das Urteilsvermögen des einfachen Volkes und es verliert somit jeden Horizont, so etwas kann man auch Sybillinische Zentralsteuerung nennen.
Das Tor zu der Degenerierung der wirtschaftlichen Grundlage ist somit weit offen und die fundamentalen Werte der Gesellschaft verkrümmen außerhalb jeglicher menschlicher Vernunft zu den primitivsten Eigennützigkeiten des Denkens und des Handelns.
Denn die Heuschrecken der Menschheit gedeihen nur, wenn die opportunistischen Lakaien gesättigt sind und die naiven Massen mit patriotischen Scheißhausparolen und machiavellischen Onkel Göbbels ähnlichen Einflüsterungen und Versprechungen von schnellem Geld in Schach gehalten und ausgeplündert werden.
Heutzutage aber, gerade weil fast kein Schwein mehr auf Scheißhausparolen hören will, macht man’s, wie die römischen Kaiser es damals taten: Im alten Rom gab es für das Volk jede Menge „Panem et Circenses“, und das Volk war happy.
Hartz Vier und Wetten, dass also!
So kann man auch Gehirne wie am laufenden Band waschen, blank reiben und abstumpfen, wobei dann als logische Folge das Tor zur Wirtschaftsanarchie weit offen und ungeschützt bleibt.
Der Auftakt zur Ausplünderungsorgie an dem Reichtum des Landes kann somit eingeläutet werden, und der Schafferschmaus kann beginnen.

Daraufhin verliert das beklaute und betrogene Land an Wohlstand und an Prestige in der Welt und erst dann scheint das hintergangene Volk sich aus ihrer gleichgültigen Lethargie zu lösen, wohlgemerkt aber nur und nur, weil die allgemeine Unsicherheit und das Unwohlsein, Hartz Vier und Wetten, dass zum Trotz, weit über die Schmerzensgrenzen ihrer ausgemergelten Ärsche hinausgewachsen ist, und nur deswegen.
Demgemäß bejammert das Volk und jagt dem geklauten Wohlstand mit jedem ihm zur Verfügung stehenden Mittel nach und wird dabei zunehmend aufgewühlter, gefühlsmäßig irrational und abwegig.
Ganz zum Schluss, so, als ob es in das Land nicht hingehöre, stirbt in so einer Gesellschaft die Demokratie, und die Verfassung verkommt.
Ab dem Moment ist der sehr gefährliche und selbstzerstörerische Weg zum politischen Despotismus somit geebnet und frei.
Denn wenn die so genannten Hohen Herren, die, die da oben irgendwo sitzen, geschützt von maßgeschneiderten Gesetzen und ministerialen Anordnungen, Patriotismus und Vaterlandliebe nur als transitives Mittel zum eigenen politischen Zweck und für die persönlichen wirtschaftspolitischen Interessen einer fragwürdigen so genannten Wirtschaftselite anwenden, dann ist es um das Land geschehen.
Ausländische Investoren wandern aus und kommen nicht mehr zurück, andersrum kommen manche anderen überhaupt nicht.
Demzufolge steigt die Arbeitslosenzahl und das Land wird immer ärmer und handlungsunfähig.
Zu guter Letzt wandern all diejenigen, und es sind Gottlob sehr viele, die sich nicht in der Rhetorik des politischen Hochmuts von einer Hand voll politischer Chauvinisten und neu gegründeten Parteien fangen lassen wollen, in Scharen aus.

Menschen, die solche wirtschafts- und sozialpolitischen Katastrophen verursachen, sind keine Patrioten, sondern gewöhnliche vulgäre Schmarotzer, Zuhälter ihres eignen Landes und ihrer Mitbürger, Geld absahnendes, hochintelligentes akademisches Gesindel, alles, was man will, aber beileibe keine anständigen Bürger.
Das ist der fruchtbare Boden, wo politische Despoten ihre willigen Helfer finden.
Denn heutzutage, sei es nur um des rabiaten Selbstverherrlichungswillens wegen, wenn auch mit anderen Mitteln, heute genau so wie damals zu Onkel Göbbels Zeiten, scheint die Grundlage dieselbe geblieben zu sein, die Ziele der wenigen über die vielen die gleichen, nämlich Macht, diesmal aber die Macht des Geldes, denn die Macht des Geldes ist auch eine Form von Diktatur.

Daher spricht die Urdummheit der Vereinsmeierei heute wieder mal Deutsch, sie tut es aber mit der Sprache des „Panem et Circen“ und nicht mit der blindwütigen Verknechtung des eigenen Volkes, durch Gestapo ähnliche Behörden.
Sie tut es mit der markwirtschaftlichen Erpressung anderer Länder und nicht mehr mit fliegenden Bombergeschwadern.
Sie tut es mit der Einschusterung anderer Völker durch wirtschaftspolitische Arroganz, nicht mehr mit Panzerdivisionen.
Sie tut es wieder, nur diesmal sie tut es anders.
Das ist ein Sakrileg, ein infames Anathema angesichts des deutschen Volkes zu seinen Toten, zu seinen Hoffnungen und zu seinen Ängsten, zu seiner Anständigkeit.
Denn eine „Pax-Urdummheit “ würde nur zum totalen politischen Chaos im Lande und in Europa führen.
Europa hat das begriffen und es wendet sich langsam angewidert ab und schaut teilnahmslos zu, denn diese „Pax-Urdummheit“, sei es auf wirtschaftlicher oder politischer Ebene, hat nur noch Suizid zur Hand.
Suizid - oder Wiederkehr zum aufrichtigen Schaffen, dass, das Deutschland der Nachkriegszeit, zu dem Land machte, das heute leider nur noch als Schatten von sich selbst zu betrachten ist, nämlich nicht mehr marktführend ist und Wegweiser des europäischen Denkens und Handelns.
So wie es aussieht aber, hat dieses wirtschaftliche und politische Deutschland der flotten Manager und happy open Cashcounter, dem Beispiel des Verbandes Deutscher Reeder und der Deutschen Seefahrt folgend, Suizid gewählt.
Ein Suizid des Wichtigtuers gewählt.
Einen selbstaufrichtigen Suizid gewählt.
Einen selbstglorifizierenden Suizid gewählt.
Es wird ein sehr langer, sehr schmerzlicher Suizid werden, vor allem aber wird es ein sehr einsames und beängstigendes Sterben sein.

ENDE

domenica 1 febbraio 2009

DER STURM

Aus MSKRT N° 3: Der Fall MS: CONDOR, ex Markus. S

Die erste Sturmwarnung erreichte uns an Bord der MS Condor zwölf Stunden vor Ushant an der nordwestlichen Spitze Frankreichs, wo nach Westen fahrend die Biskaya anfängt.
Bei wolkenlosem Himmel und steigendem Barometer fingen sämtliche Radiostationen in der Umgebung auf einmal an dem Sonntagmorgen an, im Halbstundentakt ihre Sturmwarnungen auszusenden.
Der alte Kapitän deutete mit einem spöttischen Lächeln auf das Barometer, das auf fast 1.038 Millibar stand, und fragte sichtlich amüsiert, ob die Engländer und die Franzosen auf einmal nicht mehr ganz dicht wären.
>Seit Mitternacht sind die dabei, Sturmwarnungen rauszuposaunen, während der Barometer steigt<, lästerte der Alte lachend, als ich an dem Sonntagmorgen gegen sieben Uhr während meines morgendlichen Rundgangs ums Schiff auf der Brücke erschien.
Nur die Möwen in der unmittelbaren Umgebung von unserem Schiff lachten nicht, sie lagen fast apathisch alle im Wasser und alle in einer Richtung, nämlich nach Westen, und in diese Richtung fuhren wir auch.
Nur gelegentlich paddelten einige davon fast irritiert schleunigst weg, wenn unser Schiff denen beim Fahren zu nah kam. Nur selten flogen einige von denen uns aus dem Weg, um sich wieder einige Meter weiter wieder ins Wasser zu legen.
Der alte Mann, der sich während der kurzen Fahrt von Amsterdam aus als ein vollkommener bürokratischer Trottel erwiesen hatte, lachte noch mehr, als die ersten Schiffe, die mit uns fuhren, sich bei Radio Ushant meldeten und um Landschutzfahrterlaubnis fragten.
Die Küstenstation gab denen sofort und ohne zu zögern ihr Okay und wies all den Küstenmotorschiffen, die danach fragten, einen Ankerplatz unter Landschutz zu.
Kurz vor Mittag waren wir auf breiter Flur die einzige Kümo, die, flankiert von einigen großen Fahrtschiffen, die ebenfalls nach Westen fuhren, noch nicht unter Landschutz vor Anker gegangen war.
Und so, während der Kapitän sich immer noch köstlich zu amüsieren schien und lustig weiterfuhr, gingen wir dem stärksten und umfangreichsten Sturm, den ich in den letzten 25 Jahren auf See erleben - und Gott sei‘s gedankt, überleben dürfte - entgegen.
Der Sturm erreichte uns mit voller Wucht kurz vor Mittag, kaum zehn Meilen nach Ushant.
Das Barometer fing fast schlagartig an zu sinken, das Ding ging in kaum einer halben Stunde von 1.040 Millibar auf 1.000 und fiel, während der Himmel in der kürzesten Zeit rabenschwarz wurde, unaufhaltsam weiter ab.
Das Meer fing an zu brodeln, und wir waren in der Scheiße.
Die Biskaya hatte sich in kürzester Zeit von einem freundlich blauen Südseeähnlichen friedlichen Gewässer zu einer tobenden Bestie gewandelt.
Es ging alles so schnell, und der alte Arsch wurde so dermaßen überrascht, dass er sogar vergaß, die Fahrt des Schiffes zu reduzieren.
Die Condor, immer noch von meinem deutschen Bullen aus Deutzer Zucht, auf 80 % ihrer Leistung nach vorne getrieben, tanzte wild hin und her, sie bohrte sich ein paar Mal in gewaltige Wellen hinein, kam aber brav immer wieder raus.
>Wollen Sie den Motor kaputt fahren oder das Schiff versenken, Kapitän?<, fragte ich scheinheilig, als ich sah, dass der Mann immer noch nicht mit der Fahrt runtergehen wollte und wie hypnotisiert nach draußen schaute.
Vorsorglich hatte ich um zehn Uhr beim Kaffee in der Messe die Jungs und Peter gewarnt, sämtliche Schotten und Türen abzuschließen und dafür zu sorgen, dass in der Messe und in ihren Kammern alles, was auf dem Tisch lag, gut weggestaut und abgesichert wurde.
Luwala, unsere Bordhündin, hatte ich in meiner Kabine eingeschlossen, ich hatte auch im Maschinenraum eine Runde gedreht, dort aber war für mich die Welt in Ordnung, denn ich hatte die Gewohnheit, niemals lose Gegenstände herumliegen zu lassen, von dort erwartete ich also keine Probleme.
Mein Problem oder, besser gesagt, unser Problem kam in Person des Steuermannes, der kurz vor dem Rest der Bande auf der Brücke erschienen war und der dem Kapitän die Fahrt des Schiffes endlich auf 30 % zurückgestellt hatte.
Er musste gegen irgendwas mit seinem Kopf gestoßen sein, denn auf seiner linken Stirnseite war eine große Beule zu sehen.
>Das ist die Strafe<, murmelte er vor sich hin.
>Die Strafe für was denn, Steuermann?<, fragte ich alarmiert.
>Die Zwischendeckpontons, Chief, ich hab sie aufgrund des schönen Wetters gestapelt gelassen und nicht in Position gebracht, die sind aber sehr gut gelascht worden<, antwortete er mir kleinlaut.
>Du Vollidiot, was hast du dir denn dabei gedacht?<, zischte ich ihm ins Gesicht.
>Jetzt haben wir aber eine schöne Scheiße am Hals<, schimpfte Peter gleich los und schaute mich dabei kreidebleich an.
>Aber, meine Herren, ich bitte euch. Es gibt doch keinen Grund zur Panik. Der Sturm ist doch gleich wieder vorbei, und die Pontons im Laderaum sind gut gelascht worden<, dekretierte der Kapitän.
Mir reichte es, denn meine innere Warnanlage war wie von Sinnen am Bimmeln.
Ich kannte den Klang meiner eigenen Alarmglocke in mir. Das letzte Mal, wo ich sie gehört hatte, war damals im Barbison Hotel, bevor ich auf dem Motorschiff El Castillo einstieg, nur das diesmal ihr Klang ein einziges Ding bedeutete, nämlich Tod.
>Nix da, mein lieber Kapitän, Sie gehen jetzt sofort auf ganz langsame Fahrt runter und Kopf auf See, und ich gehe in den Laderaum, ich will mir dort selbst ansehen, was Sache ist, denn ich habe keine Lust, in der Biskaya abzusaufen. <
Ohne lange herumzumäkeln, setzte der Alte den Bug gegen den Wind und reduzierte die Fahrt um einige Umdrehungen mehr.
>Weniger geht nicht, Chief, ich brauche Ruderwasser. Passen Sie bitte auf<, mehr sagte der alte Mann nicht, und ich ging, gefolgt von Peter, nach unten.
Von der Tür auf der Steuerbordseite zum Arbeitsdeck bis zur Einstiegstür zum Laderaum waren es gerade sechs Meter. Der Kapitän hatte das Schiff so manövriert, dass die Kondor mit ein paar für mich lebenswichtigen Graden rechts der Wellenrichtung lag.
>Pass bloß auf, Meister<, bat mich Peter, der genauso wie ich durch das Bullauge an der Tür die Sequenz der Wellen beobachtete.
Wir ließen uns Zeit, erst als ein paar größere Wellen an uns vorbeizogen und das Arbeitsdeck wieder frei von Wasser war, öffneten wir die Tür, und ich ging, während Peter hinter mir die Tür wieder schloss, an Deck.
Wie ich es schaffte, in den Laderaum zu gelangen, ohne über Bord gespült zu werden, weiß ich bis heute nicht, ich weiß nur, dass ich es schaffte und dass ich heute, fast fünf Jahre später, darüber berichten kann.
Mehr weiß ich nicht.
> Verdammt kurz und schnell, diese Wellen<, dachte ich, als ich die Sprossenleiter zum Laderaum runterging.
Unten im Zwischendeck waren das ganze Getöse des Sturms und das des gestressten Schiffes fast unerträglich.
Die Gefährlichkeit und Mystik der Geräusche, die sich da abspielten, war mit all dem, was ich vorher auf See gehört hatte, nicht zu vergleichen.
Es klang fast wie Musik, nein, es war Musik, eine tödliche Sinfonie, die mich fast das Blut in den Adern gefrieren ließ, spielte sich da in meinen Ohren ab, und für einen kürzesten Augenblick hörte ich gebannt, fast wie hypnotisiert, einfach zu.
Erst danach schaute ich mich um.
Die Pontons achtern waren im Laderaum zwar gestapelt, die lagen aber auch fest gegen die Aufbauten, die waren so gut einzeln am Schott gelascht worden, dass die nirgendwo hingehen konnten, so, als ob die ein fester Teil des Schiffes gewesen wären.
Diese Deckel waren immer dort, so wie die waren und wurden in ihren jeweiligen Positionen in dem Zwischendeck eingesetzt, nur wenn es im Raum Teilladung zu stauen gab, sonst nicht.
Was ich aber sah, als ich nach vorne schaute, raubte mir für einen kurzen ewigen Moment fast den Verstand.
Die vordersten 12 Pontons, die man nur frei im Raum stapeln und laschen konnte, hatten ihre Ketten gesprengt und lagen über- und untereinander, durcheinander eingekeilt und gestapelt, Vorkante Laderaum Backbord und bewegten sich mit ihren scharfen Kanten stumpf und knirschend gegen den Schiffsrumpf.
Fast wie in Trance schnappte ich mir von irgendwoher so viel Holzbretter, wie ich nur finden konnte und setzte sie, wohl achtend, wohin ich mit meinen Füßen ging, zwischen die scharfen Kanten der Pontons und der Schiffsaußenhaut.
Mit Gottes Hilfe fand ich auch auf Anhieb einige größere Holzkeile und einen Vorschlaghammer, wie besessen hämmerte ich so viele von den Holzklötzen zwischen die eisernen Pontons und das Deck, wie ich nur konnte.
Mir ging es primär darum, eine weitere Verschiebung der Teile zu vermeiden, und erst, als es mir schien, dass das Ganze, doch etwas ruhiger da lag, ging ich wieder nach oben, um Verstärkung zu holen.
>Ich machte mir langsam um dich Sorgen, Meister<, sagte Peter zu mir, als ich wieder bei ihm war.
Unterwegs nach oben informierte ich ihn, was im Laderaum los war und was ich getan hatte. Ich sagte ihm auch, dass wir gleich wieder da runter mussten, um die losen Pontons mit Ketten und Spannschrauben an den Spanten des Schiffes so zu verankern, dass die sich nicht mehr hätten bewegen können.
Auf der Brücke war der alte Arsch gerade dabei, freudig und munter den Jungs und seinem Affen, der aschgrau im Gesicht war und sich stumpfsinnig, fast abwesend, krampfhaft am Kartentisch festhielt, eine Lehrstunde in Ozeankunde zu geben.
Er erklärt denen gerade, wie sich die Wellen auf hoher See verhalten und wo der Unterschied zwischen einem Längst- und einem Querläufer zu sehen und wie dieser zu interpretieren war.
>Vorne haben die Pontons, die ihr so gut gelascht habt, ihre Laschketten gesprengt, meine Herren. Wir müssen in den Laderaum gehen, um die einzeln irgendwie zu sichern, sonst gehen die uns noch durch die Wand, und dann ist wohl Feierabend mit lustig, meine Herren, und wir gehen alle baden<, erklärte ich denen.
Der Kapitän schien nicht begriffen zu haben, was ich da gesagt hatte, denn als ob ich nicht da gewesen wäre, laberte und dozierte er weiter mit den Jungs über Wasser und Wellen.
>Sagen Sie mal, Kapitän, haben Sie mir überhaupt zugehört<, fragte ich wütend den alten Sack, der immer noch am Schnacken war.
>Wie bitte?<, fragte der alte Mann fast erschrocken.
In aller Ruhe erklärte ich noch einmal, in welcher prekären Lage wir uns befanden und was ich dagegen tun wollte.
>Ja, Chief, wenn das so ist, dann haben Sie natürlich Recht. Ich will mir aber zuerst selber die Lage im Laderaum anschauen.<
>Den Teufel werden Sie tun, mein Lieber. Sie bleiben hier auf der Brücke und gehen nirgends wohin<, gab ich ihm zur Antwort, ohne ihn weiterreden zu lassen.
>Ich bin der Kapitän, und ich muss mir selber ein Bild über den Zustand meines Schiffes machen<, antwortete mir der alte Sack trotzig.
>Falls Sie jetzt die Brücke verlassen, um in den Laderaum zu gehen, dann breche ich Ihnen ein Bein. Auf den Steuermann ist kein Verlass, Sie sind hier jetzt der einzige, der das Schiff in so einer Situation fahren kann, und ich brauche die Jungen und den Koch mit mir im Raum. Wir sind tief in der Scheiße, und alles, was ich zur Verfügung habe, sind zwei 18-jährige Jungs, die zum ersten Mal auf See sind und Peter. Hinzu kommen ein Steuermann, der von nichts eine Ahnung hat, und ein 70 Jahre alter Kapitän, der, obwohl er kaum auf den Beinen stehen kann, in den Laderaum gehen will, nur weil er den Kapitän spielen will. Und ich soll dem Mann kein Bein brechen?<, fragte ich zum Schluss verbittert und angeekelt über seinen Hochmut und seine überhebliche Einstellung.
Ohne mich weiter um den alten Mann zu kümmern, ging ich von der Brücke, um nach unten zu gehen, Peter und die Jungs folgten mir ohne Widerrede.
Ein paar Minuten später waren wir alle vier zwar etwas nass und außer Atem, aber mit heilen Knochen bei den losen Pontons in dem Laderaum.
Wir brauchten gut und gern zwei Stunden, um alle Pontons so zu sichern, dass die einigermaßen gut und fest an den Backbordspannten des Laderaums vorne gelascht worden waren.
So was hört sich einfach an, es war aber nicht so, und ungefährlich war’s erst recht nicht.
Wir befanden uns im vordersten Teil des Laderaumes, und das Schiff sprang wie ein wilder Mustang mit bis zu sechs Meter in die tiefen Wellentäler.
Am Ende aber, ohne uns dabei die Knochen zu brechen, hatten wir es fertig gebracht, nicht nur jeden der losen Pontons an den Spannten des Schiffes fest zu laschen, wir hatten auch noch eine gehörige Portion Holzpolster zwischen die und die Schiffswand einsetzen können.
Ganz felsenfest gelascht waren die nicht, wir hatten es nur geschafft, die alle so zu befestigen, dort wo die waren und so, wie die dort auch lagen.
Mehr wäre in so einer Situation einfach nicht drin gewesen.
Um zu vermeiden, dass die durch Eisen auf Eisen Reibung sich noch weniger bewegen konnte, waren wir außerdem in der Lage gewesen, eine gute Verkeilung hinzukeilen, nicht nur zwischen jeden einzelnen von denen, sondern auch zwischen die, die direkt an Deck lagen und dem Deck selbst.
Damit hatten wir zur Rettung unserer Leben all das getan, was uns unter den gegebenen Umständen möglich worden war, der Rest lag nur noch in Gottes Hand.
Mir ist es heute noch ein Rätsel, wie wir es immer schafften, von unserem Wohnbereich in den Laderaum zu gelangen und zurückzukommen, ohne dabei von den anrollenden Brechern über Bord befördert zu werden.
Tatsache ist, dass wir es alle schafften und das alles ohne Verletzungen.
Auf der Brücke dann berichte ich dem Kapitän, wie die Lage nun war, ich erklärte ihm, was wir getan hatten und was ich davon hielt.
Dabei machte ich ihm klar, dass die Pontons keineswegs 100 % sicher waren, sondern dass die eben nur so sicher waren, wie das Schaukeln des Schiffes es eben zuließ, mehr nicht, denn mittlerweile hatte der Sturm erheblich an Stärke zugenommen.
Der Sturm hatte sich so gegen 15 Uhr bei steifen neun mit bis zu guten zehn Windstärken eingependelt und schien es dabei belassen zu wollen.
Die Condor schaukelte zwar im Sekundentakt mit bis zu 30 Grad Neigung wild hin und her, so lange wir aber Kopf auf See blieben, war das im Grunde genommen zwar verflixt unangenehm, man hätte es aber überleben können.
Hinzu kam, dass das Gewicht der Pontons, die an Backbord gestapelt waren, uns zwangsläufig ein paar Grade willkommener Schlagseite in diese Richtung gaben und das half noch mehr, die Scheiß losen Deckel im Laderaum dort zu halten, wo die waren.
Jeder Kapitän, den ich kenne, aber auch die blödesten unter denen (und davon gibt es viele), wäre nun weiter Kopf auf See geblieben, bis sich der Sturm beruhigt hätte.
Nur dieses Arschloch von Kapitän nicht, nein, der Trottel schien nur diesen Teil meines Berichtes in sich aufzunehmen und zu begreifen, als er hörte, dass die Pontons im Laderaum befestigt worden waren,.
>Mensch, Chief, danke, das war gute Arbeit, jetzt kann ich wieder auf Kurs gehen und mich bei Ushant Radio abmelden.< Das ist es, was der Herr Kapitän sagte.
Meine Antwort kam postwendend.
>Wenn Sie es wagen, dieses Schiff auch nur einen einzigen Grad aus dem gegenwärtigen Kurs zu bringen, so schließe ich Sie in Ihre Kammer ein und übernehme das Schiff<, mehr sagte ich nicht.
>Das ist ja Meuterei. Ich werde Sie ins Tagebuch eintragen<, weiter kam er nicht.
>Machen Sie das ruhig, Kapitän, und da Sie dabei sind, setzen Sie gleich meinen Namen hinzu<, schrie ihn Peter auf Holländisch sofort an, >falls Sie lebensmüde sind, so springen Sie meinetwegen gleich außenbords. Dieses Schiff drehen Sie aber nicht, nicht jetzt, denn ich habe Frau und Kinder daheim, und die wollen mich wiedersehen. <
Peter als erfahrener Bootsmann/Koch hatte die Entsetzlichkeit unserer Lage sofort erfasst und war mir zu Hilfe gekommen.
>Es gibt manche Sturmböen da draußen, die fast Orkanstärke haben, wo wollen Sie eigentlich hin, Kapitän?<, fragte ich, als der alte Mann, erschrocken über Peters Intervention, sprachlos geworden war. >Ihre Pflicht ist es, Ushant Radio unsere Situation zu melden, wir sind faktisch in Seenot. Jede Minute kann sich einer der Pontons lösen, jede Minute kann einer davon durch die Schiffswand gehen, und wir saufen einfach ab, ohne dass es jemand merkt. Kapitän, melden Sie uns, bitte<, setzte ich unvermindert fort.
Der Mann, der nur an sich selbst und sein eigenes Prestige dachte, griff wortlos nach dem UKW-Mikrofon und rief Ushant Radio an.
Ruhig, mit fast monotoner Stimme meldete er unsere Position und Schiffslage an und bat sie, wenn wir auch quer zum Fahrtweg standen, dort bleiben zu können, so wie wir waren.
Er beantwortete all die Fragen, die Ushant Radio über Schiffsgröße, Tiefgang, Art der Ladung, Ausgang und Ankunftshafen sowie Reederei und Agentennamen ihm stellte, er gab alles durch, und am Ende verlangte die Küstenradiostation, nachdem sie uns auf ihrem Radar festgenagelt hatten, von ihm bis auf Weiteres im 15-Minuten-Takt eine Position- und Schiffszustandsmeldung.
Danach wünschten sie uns Hals- und Beinbruch und beendeten somit das Gespräch.
Gerade als ich daran dachte, nach unten zu gehen, um mich abzutrocknen, fing am Peildeck über uns etwas an, gegen etwas anderes zu knallen.
Die Schläge kamen im Rhythmus von dem rollenden Schiff und wurden immer lauter.
>Was zum Teufel soll denn das jetzt schon wieder sein?<, fragte mich Peter, der genauso wie ich und die Jungs bis auf die Knochen nass und am Frieren war.
>Es gibt nur einen Weg, um das herauszufinden, Junge, lass uns nach oben gehen, und wir werden es wissen<, antwortete ich.
Ohne zu zögern ging ich von Steuerbord aus an dem teilnahmslosen Steuermann vorbei, der immer noch neben der Tür stand und geistlos, verbissen, fast wie hypnotisiert nach draußen schaute, gefolgt von Peter, an der Steuerbord Nock ins Freie.
Das Peildeck ist das höchste Deck eines jeden Schiffs, höher als das sind nur noch der Kamin und die Masten.
Dort befinden sich auf fast jedem Schiff älterer Bauart in einer Holzkiste die 12-Volt-Notstromversorgungsbatterien für die Funkanlage des Schiffes.
Gerade der Scheiß hatte sich teilweise losgerissen und knallte mit dem rollenden Schiff gegen die Reling.
Wenn es schon nicht einfach gewesen war, aufs Peildeck zu gelangen, war es noch viel weniger einfach, die schwere Kiste wieder gegen die Reling zu bringen.
Der Pendelweg des Schiffs dort oben ist am stärksten und sehr gefährlich.
Mit vereinten Kräften, teilweise flach an Deck liegend, klitschenass und halb erfroren schafften Peter und ich es aber doch nach einer Weile, die schwere Kiste wieder gegen die Reling gedrückt zu halten.
Daraufhin knallte ich meine 110 Kilo drauf, hängte irgendwie meine Beine und Arme über die Reling hindurch und schaffte es auch mit meinen fast eingefrorenen Arschbacken, die verdammte Kiste in Position zu halten, bis Peter aus dem Sanitärlüfterraum am Schornstein zum Glück genügend alte Wurfleinen fand, um die verflixte Kiste wieder an der Reling fest zu laschen.
>Falls die Reling auch noch nachgibt, so lade ich samt den Batterienvierkant in den Bach, und dann wird es das wohl gewesen sein<, dachte ich grinsend, als ich wie ein Affe im Baum da an der Reling hing, während die Gischt der vorbeiziehenden Wellen mir die Fresse polierte.
Wenn von dem Brückenfenster aus der Anblick des Sturms schon würdevoll und überwältigend war, so sah es vom Peildeck schlicht und ergreifend majestätisch und atemberaubend zugleich aus.
Ergriffen, fast in der tiefsten Demut, lauschte ich dort dem Konzert aus rauschenden Wassermassen, dem Stampfen des Schiffes gegen die anrollenden Wellen, den Hunderten von Violinen und Posaunen, die die Windböen durch die Aufbauten des Schiffes hindurch spielen ließen.
Aus dem manchmal ruhigen Lauf meiner deutschen Bullen, die ihren Lauf, skandiert durch die trockenen Luftschläge der Abgasturbine, schlagartig von einem „Andante con Brio“ zu einem „Andante Furioso“ änderten, sobald der Propeller aus dem Wasser kam, wurde mir auf einmal klar, dass kein Maler jemals in der Lage sein würde, solch ein Bild malen zu können.
Kein Schriftsteller wäre in der Lage, so was in Worte auf dem Papier beschreiben zu können.
Kein Musiker könnte je so eine Partitur komponieren.
So etwas mit Farben, mit Noten oder mit Wörtern beschreiben zu wollen, wäre nichts anderes als purer dämlicher, menschlicher Hochmut, nicht mehr und nicht weniger als das.
So was muss man gesehen, gehört, erlebt und vor allem empfunden haben. Es beschreiben mit Musiknoten, es erklären mit Worten oder mit Farben, es im Nachhinein jemanden nachfühlen zu lassen, was man da sieht, erlebt und empfindet, das man kann nicht.
> Wie kam denn die alte Wurfleine in den Sanitärlüfterraum auf dem Peildeck?<, fragte ich Peter, als wir wieder im Ruderhaus waren.
> Damit wollte ich mir eine Hängematte bauen, Meister, die hatte ich vor ein paar Tage dorthin gebracht<, erklärte er mir lächelnd.
"Danke,Peter" Fortsetzung folgt

venerdì 2 gennaio 2009

EINE BREMISCHE GESCHICHTE

Aus MSKRP N° 3. Der Fall MS. CONDOR. (1989)

Bremen ist nicht meine Wahlheimat, meine Wahlheimat ist das Meer und mein Zuhause sind die Schiffe, auf denen ich fahre.
Nein, Bremen ist nicht und wird nie meine Wahlheimat sein. Bremen ist meine Art und Weise zu leben, frei nach dem Motto: Alles oder nichts und immer nach vorne schauen.
Alles oder nichts hat mit Geld wenig zu tun.
Für mich bedeutet alles oder nichts weder Geld noch Macht oder Reichtümer. Für mich alles oder nichts bedeutet Leben, jetzt leben, sich nicht kleinkriegen lassen und um den Lebenswillen da zu sein.
Um des Lebens willen da zu sein, auch dann, wenn die Weichen schlecht gestellt sind, sich einzusetzen, um zu verbessern und das aus reiner purer Lebenslust.
Das ist Bremen für mich, und so bin ich.
Fast hätte ich mich vor langer Zeit sogar in Bremen häuslich niedergelassen, natürlich in einem Hause mit allem Pipapo, das ein gutbürgerliches Leben ausmacht und nicht ins Seemannsheim. Ein Haus mit Wein, Weib und Gesang, dem ungeachtet, auch mit einem anständigen Badezimmer mit Badewanne und glänzendem feinen Klo, wo man auch in alle Ruhe, eine Zigarette beim Bildzeitungslesen qualmen kann und wo sich, gut, würdevoll und vornehm, kacken lässt.
Dann wäre ich bestimmt, nicht ins Seemannsheim geblieben.
Das alles wäre fast geschehen, wäre bloß nicht, der akute seemännische Scharfsinn in puncto Weiber in mir gewesen, der als ständige Begleiter, mich von ankommenden Gefahr warnt.

Das Weib, das meine längst vergessenen gutbürgerlichen Gefühle in mir wieder halbwegs erweckt hatte, arbeitete damals als Kellnerin in einer gut besuchten und gepflegten Kneipe unweit von Bremen.
Sie muss um die 40 gewesen sein, vielleicht ein bisschen älter als das, aber keineswegs jünger und zwar, um ehrlich zu sein, ein bisschen zu alt, aber ihrem Alter zum Trotz gut erhalten, gut ernährt und mit einem vollständigen eigenen gelblichen Gebiss, ausgestattet.
Ihre Raucher stimme gab ihr so eine Art von kriminal Tango Aura, die eigentlich in das vornehme Lokal gar nicht hineinpasste, aber grade das gab ihr der Schein der Sünde und zog die biederen Ehemänner der Umgebung, magisch an.
Sie trug zwar viel zu kurze Haare, so in etwa eher maskulin als weiblich, was ihren etwas zu klein geratenen Kürbis auf ihrem korpulenten Körper noch kleiner erschienen ließ, sie hatte auch eine sehr komische Art und Weise sich zu kleiden. Ihr Geschmack in puncto Klamotten war wirklich das Allerletzte, was man sich an einer reifen Frau vorstellen konnte.
Persönlich fand ich ihre Vorliebe für Omas Klamotten einfach lächerlich, und wenn sie sich um ihren kurzem Hals auch noch ein palästinensisches Bettlaken schlang, das ihren kleinen Kürbis mit dem Kurzhaarschnitt auf ihrem korpulenten Körperbau noch kleiner erschienen ließ, dann war alles zu spät.
Trotzdem fand ich die Alte nett, denn ich war mir sicher, falls es mit uns, was letztendlich keineswegs sicher war, geklappt hätte, ich schon Mittel und Wege gefunden hätte, ihr ihre geschmacklose Weise sich zu kleiden auszutreiben - notfalls mit ein paar auf die Schnauze.
Irgendwie hätte ich sie bestimmt zur Räson gebracht, da bin ich mir ganz sicher.
Mehrere Male schon hatte ich versucht, was in Anbetracht ihrer Camouflage-Phobie, wahrlich nicht gerade einfach gewesen war, mir die alte Sau hinter der Theke zurecht zu saufen.
Nach mehreren anstrengenden Anläufen und mühevollen Versuchen, die mir wie Schwerstarbeit vorkamen, hatte ich es fast geschafft und sie mir so dermaßen gut zurechtgesoffen, dass sie mir in meinem Suff wunderschön vorkam.
Für sie hatte ich mir nach willensstarken Anläufen und konsequentem Probieren endlich die passende Frisur zurechtgesoffen: eine lange füllige Haarpracht, eine Komposition, die ihren kleinen Kürbis unter ihrer Fülle verschwinden ließ.
Ihre palästinensische Bettwäsche in den Mülleimer geworfen, ihre Klamotten der Heilsarmee geschenkt.
Den Fensterkitt aus ihrem Gesicht abgeschabt.
Sie in ein dezentes, aber sexy blaues Kostüm hineingequetscht und auf ihrem Gesicht eine hauchdünne Schicht Rouge aufgelegt, denn obwohl von stämmiger Bauart und kugelrund, sah sie letztendlich doch etwas blass aus.
So in etwa sah in meinen Suffträumen meine Traumfrau aus, gewiss nicht gerade erste Auslese, nein, das war sie nicht, aber immerhin besser als vor dem Zurechtsauf-Experiment.
Um ehrlich zu sein, man konnte doch in meinem Alter sich nicht allzu wählerisch anstellen, denn im Grunde genommen hatte ich auch nicht viel zu bieten, nicht wahr? Denn als Seemann, Ausländer, Sozialsäufer, weiberfaul und thekenaktiv, mit Bierbauch und ner Glatze und mit klapprigen und erneuerungsbedürftigen Knabberleisten obendrauf ist man auch nicht gerade ein blauer Prinz.
Blau schon und das oft und richtig, aber Prinz?
Nein, das bin ich wirklich nicht.
Die Alte aber, so wie ich sie mir zurechtgesoffen hatte, hätte bestimmt ihren Zweck erfüllt, denn im Grunde genommen wäre das doch der Sinn der ganzen Übung gewesen, nicht wahr?
Wie gesagt, fast hätte ich’s geschafft, wäre mir bloß nicht ihr dämlicher sturer Arsch in die Quere gekommen. Himmel, Gott ist mein Zeuge, dass ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln versucht habe, die einem Nilpferd ähnliche Protuberanz, die an ihrem Achtersteven hing, zurechtzusaufen.
Es nutzte alles nichts, ihr alter Arsch blieb so, wie er war, im Gegenzug aber war ich jeden Tag nur noch besoffen.
Fest entschlossen, doch noch einen passenden Arsch für ihren Achtersteven zurechtzuschustern, verpasste ich mir, sozusagen als zusätzliche Verstärkung und Reiz für meine stilistischen Eigenschaften, zu jedem Beck‘s einen Doppelkorn.
Scheiße, von da an nahm das Unheil erbarmungslos seinen Lauf, denn nach ein paar Tagen anstrengender Versuche bekam ich gewaltige Magenschmerzen, meine Hände fingen an zu zittern, und ihr sturer Arsch schien mir noch größer und monströser geworden zu sein.
Fast entmutigt, aber immer noch mit dem verbissenen Draufgängertum des erfahrenen Seemanns, wechselte ich kurzerhand von Bier und Doppelkorn zu Bier und Wodka.
Es nutzte aber alles nichts, denn ihr Arsch wurde noch riesiger.
Danach probierte ich es mit Bier und Cognac, da musste ich aber, als mein Magen mir fast um die Ohren flog, schleunigst meine zitternden Flossen davon lassen, sonst wäre ich auch noch jämmerlich am Tresen krepiert.
Es war wirklich zum Verzweifeln, denn nie zuvor hatte mich so ein dämlicher Weiberarsch so viel Anstrengung, so viel Mühe und Not gekostet.
Einen halbwegs rettenden Einfall, um wenigstens zu retten, was noch zu retten war, bekam ich, als ein Bekannter von mir ins Lokal kam, von dem ich wusste, dass er gute Cocktails zubereiten konnte, und schon bat ich ihn, mir eine Bloody Mary zu machen. Sie, die meine verzweifelten Anstrengungen, ihr einen besseren Arsch verpassen zu wollen, zu schätzen und zu würdigen wusste, erklärte sich sofort bereit, mir selber eine Bloody Mary zuzubereiten. Ein Unterfangen, das ich, da ich ihr noch nicht so ganz übern Weg traute, sofort ablehnte.
Daraufhin wurde das undankbare Geschöpf sauer, allen meinen Bemühungen zum Trotz, ihr eine bessere Figur verpassen zu wollen und sprach kein Wort mehr mit mir, und meine gutbürgerlichen Gefühle, beleidigt und verschämt, gingen sofort auf Tauchstation und schliefen ruck, zuck wieder ein.
Nichtsdestotrotz hatten die vielen Bloody Marys, die ich an dem Abend trank, eine magische Wirkung, denn je mehr ich davon trank, desto nüchterner wurde ich. Ich trank nur noch so viel, was auch nicht gerade einfach war, bis ich ganz nüchtern war, zahlte wieder mal eine gepfefferte Rechnung und ging auf Nimmerwiedersehen aus der Kneipe direkt ins Seemannsheim, schlafen, wo ich 24 geschlagene Stunden lang den Schlaf der Gerechten schlief.
Bevor ich aber in meiner Koje einschlief, fragte ich neugierig all die kleinen lustigen grünen Männchen, die mit ihren riesengroßen Nilpferdpeitschen um meine Koje tanzten, was die eigentlich in meiner Bude zu suchen hatten und bat sie, bitte schön, etwas leiser zu sein ...

martedì 2 dicembre 2008

WEIHNACHTEN 1989 IN PLYMOUTH

Aus MSKR N°3. „ Der Fall MS Condor.“

... Jan und ich hatten in der Tiefkühltruhe eine gefrorene Ente gefunden, die auf der Stelle zur Weihnachtsgans erkoren wurde und die, wollten wir uns für unser Abendmahl braten.
Nach reifer Überlegung, wie man eine Weinachtgans am besten zubereiten sollte, kamen Jan und ich zu dem Entschluss, dem alten Geier, bevor er im Backofen brutzeln sollte, erst mal voll zu stopfen war, aber mit was?
Wir hatten fast gar nichts an Bord, das unserer Meinung nach als Weihnachtsgeierfüllung durchgehen konnte.
Nun standen wir da mit unserem Talent, mit dem noch gefrorenen Geier in einer Plastikschüssel im Waschbecken, mit Luwala, unsere Hündin, die vor der Kombüsentür Wache hielt und den Geier nicht für eine Sekunde aus den Augen ließ, und wussten nicht weiter.
„Zuerst müssen wir von allen Dingen, die als Füllung in Betracht kommen könnten, Inventur machen“, schlug Jan vor.
Wo nichts ist, kann man bekanntlich nichts finden, aber dann, hatten wir doch etwas im Kühlschrank gefunden, womit wir glaubten, eine vernünftige Entenfüllung zusammenschustern zu können.
Wir hatten: Noch einem guten halben Liter dicke Bolognese-Soße, ein halbes Pfund gekochten Reis aus dem Nasi Goreng von neulich und etwas geräucherten Speck, sonst nichts.
„Das muss reichen. Was wir hier haben, ist besser als gar nichts“, dekretierte Jan, der Bootsmann, mit fachmännischem Blick.
Der Geier wurde von mir aus seiner Plastikfolie befreit, in einen Brattopf gesetzt und sofort für eine Weile in den Backofen zum Auftauen geschoben.
Währenddessen hatte Jan die Spaghetti-Soße und den Reis vermengt und war dabei, ein gutes Pfund geräucherten Speck klein zu würfeln.
Und die alte Sau schob immer noch, an unserem stillen und munteren Treiben sehr interessiert, stram wie Oskar, vor der Kombüsentür Wache.
Für die Füllung zerhackte ich noch eine große Zwiebel klein,und Ja,  mischte alles zu einem schönen Klumpen zusammen.
„Falls das zu viel sein sollte und nicht alles in den Geier hineinpasst, können wir den Rest Luwala geben“, ließ Jan mich wissen, als er seine Weihnachtsgansfüllung mit kritischem Blick betrachtete.
Danach nahm er die Plastikschüssel, wo der Geier vorher gelegen hatte, wusch sie kurz, knallte den Klumpen dorthin, versalzte, verpfefferte und vermengte das Ganze noch einmal und legte es in den Kühlschrank.
Wir wollten uns gerade frischen Kaffee zubereiten, als jemand von Land aus nach uns rief.
Es war ein Mitarbeiter des Hafenmeisters, der uns Bescheid sagen wollte, dass am Abend eine besonders niedrige und spätre hohe Tide, zu erwarten war.
Er bat uns, auf unsere Leinen aufzupassen, danach wünschte uns der Mann ein frohes Weihnachtsfest und zog weiter.
Zu der Zeit hatten wir fast Hochwasser, unsere Leinen vor und achtern waren in Ordnung, das Schiff lag gut an der Pier, zwar etwas weg davon, aber da wir keinen Besuch zu erwarten hatten, ließen wir es so und zogen die Leine, auch in Erwartung des abendlichen Niedrigwassers, nicht stramm.
„Wir haben weder einen Weihnachtsbaum noch sonst was“, bemerkte ich, als wir kurz danach in der Messe beim Kaffee saßen.
„Ich glaube, dass ich gleich losgehe und uns etwas Festliches besorge, womit wir uns heute Abend die Messe schmücken können.“
„Das ist gar keine schlechte Idee, Meister, aber was wollen wir zu Mittag essen?“
„Ich habe keinen Hunger, Jan.“
„Dann hab ich auch keinen Kohldampf.“
„Soll ich uns doch Fisch and Chips von Land mitbringen?“
„Menschenskind, Meister, ja, warum denn nicht? Das habe ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gegessen.“
„Okay, dann ich geh gleich los und bin in maximal zwei Stunden wieder zurück an Bord“, versprach ich.
Und so kam es auch.
Bei Woolworth kaufte ich uns ein kleines Weihnachtsbaum aus Plastik, einer kleiner Adventskranz; ein paar Pfund Knabberzeug und einigen Billigvideos kamen noch dazu.
Beim Metzger besorgte ich auch einen riesigen Knochen für Luwala.
Beim Bäcker eine Sahnetorte und frisches Brot und beim Inder um die Ecke Fisch and Chips.
So bepackt war ich wie versprochen kaum zwei Stunden später wieder an Bord, wo Jan mit dem Geier im Gange war.
Er hatte sich wirklich Mühe gegeben.
Die gesamte Füllung war in dem Vogel verschwunden und als ich in die Kombüse kam, war er gerade dabei, mit einer Segeltuchnähnadel und Garn dem Geierarsch fachmännisch und gekonnt dicht, zu nähen.
Danach, so gegen sechs Uhr, verschwand unser zubereiteter Weihnachtsbraten im Ofen und die alte Sau hielt immer noch stramm und neugierig vor der Kombüse Wache.
Jan hatte auch eine Dose Rotkohl aufgemacht, er wollte uns noch dazu Stampfkartoffeln zubereiten, zuerst aber, bevor alles kalt wurde, aßen wir unsere Fisch and Chips, und Luwala bekam ihrem Riesenknochen verpasst.
Nach dem Essen begab sich Jan wieder in die Kombüse und ich gab mir Mühe, unsere Messe festlich zu gestalten.
In der Putzlappenkiste hatte ich vor Kurzem eine fast neue bunte Tischdecke gesehen, und die holte ich mir auch. Sie hatte zwar in der Mitte ein Loch, aber da setzte ich den Adventskranz drauf.
Den kleinen Weihnachtsbaum stellte ich auf den Fernseher und schmückte ihm mit Lametta und ein paar bunten Kügelchen.
Eine richtige Weihnachtsdekoration hatten wir zwar nicht, aber als ich fertig war, sah die Messe doch recht niedlich und festlich aus.
Wir hatten, um unseren Weihnachtsabend einigermaßen menschlich zu gestalten, alles Mögliche getan, und während wir nun so in der Messe bei einem Tropfen gutem Wein, den ich vorsorglich ebenfalls in der Stadt ergattert hatte, auf unseren Braten warteten, schauten wir uns eins der Videos an, die ich bei Woolworth gekauft hatte.
Der Geier war gegen einundzwanzig Uhr gar, denn unser Ofen war nicht gerade das beste und darher hatte es so lange gedauert.
Jan hatte unseren Weihnachtsbraten aus dem Ofen geholt und behutsam, fast mit Ehrfurcht auf einen ovalen Teller gelegt.
Er wollte gerade den Geier mit Rotkohl, der viel versprechenden Soße und dem Kartoffelpüree garnieren, als die Schiffsleinen laut zu knattern anfingen.
„Scheiße, Meister, wir haben die Leinen vergessen“, rief Jan alarmiert aus.
Wie auf Kommando sprinten wir los an Deck, um unsere veralteten Festmacherleinen zu retten.

Zuerst fierten wir den achtern Leinen etwas ab, danach gingen wir nach vorne und taten dort dasselbe mit den restlichen vorderen Leinen.
Dort auf der Back, bevor wir wieder nach Achtern gingen, zündeten wir uns eine Zigarette an und schauten uns in der Kälte des Abends ein bisschen um.
Vom Schiff aus sah die Stadt wie ausgestorben aus, da fuhr kein Auto, kein Mensch war weit und breit zu sehen.
Wären die bunten Lichter, die vor fast jedem Fenster blinkten, nicht gewesen, wir hätten sagen können, dass wir in einer Geisterstadt gelandet waren.
Gerade diese Lichter aber, die hinter den Fenstern leuchteten, erinnerten uns daran, dass der Abend ein ganz besonderer Abend war.
In der schweigenden Ergriffenheit unserer Gefühle standen wir, von Gott und Mensch verlassenen Relikten der christlichen Seefahrt, beide da auf der Back der MS. Condor und genossen in tiefer Demut die Stille des Heiligen Abends.
Schweigend und rauchend, fast wie von der anderen Seite des Mondes aus, sahen wir die bunten Lichter hinter den Fenstern der umliegenden Häuser an und dachten fern.
„Wo zum Teufel ist die Luwala, Jan?“, fragte ich auf einmal wie vom Blitz getroffen.
„Wie bitte?“
„Die alte Sau, Jan, wo ist sie?“, fragte ich noch einmal, und ich rief nach ihr.
Totenstille!
Die alte Sau, die normalerweise, sobald ich sie rief, besonders in der Dunkelheit, um mir klar zu machen, dass sie doch bei mir war, mich mit ihrer Schnauze am Schenkel schubste, war nicht da.
„Jan, die alte Sau, die mampft uns den Geier weg.“
„Dann werde ich heute Nacht zum Koreaner“, knurrte Jan und sprintete nach achtern.
„Bloß das nicht“, dachte ich, als ich hinter ihm herlief.
Dabei war ich mir nicht im Klaren, ob ich Jan als Koreaner oder die Luwala als Geierdiebin mit „bloß das nicht“ meinte, ich lief also Jan hinterher und hoffte nur Gutes.
Scheiße! Die alte Sau war nicht vor der Kombüse, und der Geier war auch weg!
Ich rief nach ihr, Jan rief nach ihr, nichts rührte sich.
Die teuflische Diebin war mit dem Geier auf Tauchstation gegangen und ließ sich von unseren Rufen nicht beeindrucken.
„Könnte es sein, dass sie mit ihrer Beute bei dir in der Bude ist, Meister?“
„Nein, die kommt nur zum Schlafen zu mir, Jan, die bringt kein Essen mit. Sie hat aber unter der Treppe zur Brücke am Bootsdeck ihren geheimen Schlupfwinkel. Die hat sich bestimmt dorthin verkrochen.“
So war es auch.
Die feine Dame hatte sich mit unserem Weihnachtsbraten unter der Treppe zur Brücke verschanzt und schien von unserem plötzlichen Erscheinen erst mal gar nicht beeindruckt zu sein.
Sie lag da auf dem kalten Deck, den noch warmen Geier zwischen ihren Vorderpfoten fest im Griff und tat so, als ob wir gar nicht da wären.
Die alte Sau tat nur so, denn sie peilte uns beide genau  mit sehr wachsamen Augen gnau an und hieklt uns scharf in visier, während sie genüsslich, an Geiers Arsch schnupperte, dort wo die warme Füllung aus Spaghetti-Bolognese-Soße, Reis, geräuchertem Speck und Zwiebeln langsam herauslief.
Sie stand erst auf, als wir, dem für uns Normalsterbliche unsichtbaren Sicherheitsabstand überschritten, den jedes Raubtier auf dieser Welt hat.
Auch ein verfluchtes Straßenköter, auch eine gemeine, eine miese, eine hinterhältige Hündin, wie Luwala nun mal ist, hatte so ein für uns unsichtbares unmittelbares Grenzrevier.
Und als wir dies brachen, stand sie auf.
Der Geier zwischen ihre Pfoten dampfte noch etwas, als sie aufstand.
Sie legte ihre Schnauze einige Millimeter von Geiers Arsch entfernt und schaute uns, leise, aber unmissverständlich knurrend, an.
„Rotkohl mit Stampfkartoffeln und Spiegeleiern soll auch gut sein, Meister“, beeilte sich Jan zwar kleinlaut, aber bestimmt zu sagen.
Ich wollte natürlich mich sofort auf die alte Sau stürzen und ihr den Arsch aufreißen, ich ließ es aber sein.
„Was mich am meistens wurmt, Jan, ist ihrem dämliche Grinsen, die alte Sau, sie lacht uns förmlich aus.“
Es war in der Tat wahrhaftig so, die Luwala mit ihrem dämlichen Grinsen lachte uns einstudiert und unverschämt knurrend, einfach aus.
„Sie hat dem ganzen Nachmittag darauf gewartet, dass wir aus die Kombüse gehen, um sich den Geier zu schnappen. Das war genau einstudiert und geplant“, bemerkte Jan, als Luwala uns, immer noch unverschämt grinsend, fast belustigt, anknurrte.
Sie wusste, dass sie die Schlacht um den Weihnachtsgeier gewonnen hatte und sie ließ uns mit ihrem dämlichen Kampfeinstellung, ihrem Grinsen und ihrem Dröhnen unmissverständlich wissen, dass sie auf gar keinen Fall ohne einen handfesten Streit, bereit war, den Geier wieder herzugeben und das wir uns lieber hätten verziehen sollen.
Wir zogen uns gerade einen halben Meter zurück.
Die Diebin legte sich wieder hin und fing an, uns beide immer noch scharf im Visier haltend, mit wachsender Begeisterung den Scheiß gefüllten und gebratenen Scheißgeier am Arsch zu lecken.
„Zum Glück habe ich ein paar Karbonaden im Kühlschrank. Es hat keinen Sinn. Frohe Weihnachten, du alte Sau. Komm, Meister, wir haben Hunger“, sagte Jan und ging nach unten in die Kombüse.
„Komm du bloß heute Nacht in meine Bude, du mieses Stück“, drohte ich mit erhobenem Zeigefinger.
Von wegen! Die alte Sau ließ sich nicht von mir beirren, sie schlürfte frohen Gemütes an Geiers Arsch, sicher gewonnen zu haben, genüsslich weiter und beachtete mich überhaupt nicht mehr.
In der Kombüse fand ich einen halb fluchenden, halb lachenden Jan, der gerade dabei war, vier Karbonaden in die Pfanne zu hauen und ich lachte und fluchte, halb belustigt und halb sauer auf Luwala, mit ihm munter mit.
Unsere Kleine tauchte so eine halbe Stunde später wieder bei uns auf.
Zuerst schaute sie nur mit dem Kopf, vorsichtig die Lage peilend, in die Messe herein, wir waren mit unserem Weihnachtsmahl auch fertig.
Während wir in aller Ruhe beim Wein eine Zigarette rauchten, taten wir so, als ob sie gar nicht da wäre, und wir schauten, ohne sie zu beachten, weiter fern.
Sie wollte zu uns in die Messe, das war uns klar. Luwala hatte sehr gut diniert, und draußen war es kalt, bei uns in der Messe aber war es schön warm, und sie hatte aber auch ihr Maul weit offen. Sie hatte also Durst und wollte trinken.
Klar, dass sie Durst hatte, der Scheiß Geier war gut gewürzt und gebraten gewesen, klar, dass die alte Sau Durst hatte. So gab ich ihr zu trinken, als sie aber mit mir schmusen wollte, schob ich sie schroff beiseite und befahl ihr, nach oben zu gehen.
Sie ging ganz ruhig, auf die Schnelle tapste sie die Treppen hoch und ging, nachdem sie mich von oben aus noch einmal angegrinst hatte, in die Wärme meiner Kammer schlafen.
Später, als ich auch kurz nach Mitternacht schlafen ging, lag sie auf meinem Sofa und schmunzelte immer noch vor sich hin, unverschämt grinsend im Schlaf.
Am nächsten Morgen schauten Jan und ich neugierig unter der Treppe zur Brücke nach.
Sie hatte alles weggeputzt, nichts lag vom Geier mehr da, sogar den Reis und die Zwiebeln hatte sie aufgegessen, die alte Sau!

martedì 4 novembre 2008

TERROR IN PLYMOUTH

Aus MSKR N° 3. Der Fall MS Kondor.

... Auf der anderen Seite des Hafens, wo wir lagen, eingezäunt und schwer bewacht, befand sich der Marinestützpunkt der Royal Navy.
Dort an der Pier lagen einige moderne Fregatten und Zerstörer, ein paar atomgetriebene U-Boote und mehrere Minensuchboote.
Aus den Zeitungen und Fernseher hatte ich an dem Tag gehört, dass man in dem Marinehafen aufgrund angeblicher IRA-Drohungen die Wachposten verdoppelt und einen höheren Wachzustand angeordnet hatte.
Auch die lokale Polizei sowie alle Sicherheitskräfte der gesamten Region waren alarmiert worden - kurz vor Weihnachten also herrschte in ganz England dicke Luft und die IRA war wieder mal schuld daran.
Den Abend davor hatte ich zwar gemerkt, dass die Suchscheinwerfer des Marinestützpunktes das Hafengewässer öfter und intensiver als sonst anstrahlten, mir war auch aufgefallen, dass die Boote der Küstenwache ihre Runden im Hafen öfter und penibler als sonst drehten und dabei hatte ich mich gefragt, wie schnell und wie konsequent die Engländer reagieren würden, falls es im Hafen wirklich ernst werden würde.
Wie schnell die Engländer auf eventuelle Drohungen reagieren konnten, wurde mir erst am nächsten Tag gegen vier Uhr morgens durch eine gewaltige Ballerei bewusst.
Da knallte es wie damals in Beirut.
Zuerst fing eine 1-Zoll-Remington-Flinte, die wir an Bord hatten, an zu ballern, gleichzeitig ließ auch die Neun-Millimeter-Star-Pistole, die wir auch an Bord hatten, von sich hören und dazwischen, als ob das nicht alles schon genug gewesen wäre, meldete sich die 30/30-Winchester zu Wort, die ebenfalls beim Kapitän im ehemaligen Zollwarenschrank lag, der zur Waffenkammer umfunktioniert worden war.
Was war da schon wieder geschehen?
So wie ich am nächsten Tag von den Jungs hörte, war der Alte gegen zehn Uhr abends wieder an Bord gekommen und hatte die Jungs und Peter an Land zum Bier eingeladen.
Jan und ich waren zu der Zeit schon in die Falle gegangen, und so bekamen wir, da die auf leisen Sohlen von Bord gingen, von der späten Einladung zur Party erst mal gar nichts mit.
Die Luwala schon, aber da sie den Klang der Schritte an Deck kannte, war sie ruhig und friedlich auf dem Sofa liegen geblieben und hatte nicht geknurrt, wie sie es normalerweise sonst tat, wenn fremde Leute bei Nacht und Nebel an Bord kamen.
Sie blieb ruhig liegen, auch als die Helden der Nacht gegen vier Uhr morgens wieder an Bord kamen, denn sie kannte ja ihre Schritte.
Sie muckte nicht auf, als die verdammte Ballerei anfing, denn das kannte sie nämlich auch.
Nur die pingeligen Wachposten drüben beim Navy-Stützpunkt blieben nicht ruhig, nein, die wurden sogar hellwach und verdammt unruhig und wild.
Im Hafen brach die Hölle los, denn als all die Waffen leer geschossen worden und neu aufgeladen waren, fing das Nachtkonzert, sozusagen als Zugabe, von vorne wieder an.
Die Remington-Flinte eröffnete also sozusagen als Präludium das Knarren-Concerto um 4 Uhr morgens bei eisiger Kälte und kristallklarer Nacht im Freihafen von Plymouth neben dem Stützpunkt der Marine, der wegen der IRA in Alarmzustand war, als Erste.
Es folgte der trockene sinistre Knall der Winchester 30/30.
Die spanische Neun-Millimeter-Star-Parabellum-Pistole, während die anderen Waffen wieder beladen wurden, machte für einen kurzen Moment ihr Solodebüt und feuerte ganz allein ihre Neun-Millimeter-Patronen ins Wasser, danach war für einen kurzen Moment Ruhe.
Grade als ich mit Luwala bei Fuß zum Bootsdeck rausging, erfasste uns einer der Scheinwerfer aus dem Marinestützpunkt an und ließ uns nicht mehr los.
Währenddessen fingen die Helden, sobald sie ihre Waffen wieder geladen hatten, ihre Darbietung von vorne an, und ich setzte mich auf die Bank neben dem Kamin und zündete mir in aller Ruhe eine Zigarette an.
Luwala sprang ebenfalls auf die Bank, sie legte ihren Kopf auf meinen Schoß und schien von allem, was um sie herum geschah, gar nicht beeindruckt zu sein.
Belustigt und besorgt zugleich kraulte ich ihr Fell und schaute mich um.
Unzählige Lichter gingen in der Dunkelheit der Häuser an, die gesamte Nachbarschaft schien durch die Schießwütigkeit der besoffenen Helden aus dem Schlaf gerissen worden zu sein, und ich konnte mir vorstellen, dass manche Bürger besorgt bei der Polizei und der Feuerwehr anriefen.
Es klang wie ein Handfeuerwaffengefecht im Wilden Westen, so ein Art O. K. Corall um 4 Uhr morgens im Hafen von Plymouth.
Von Land aus kamen einige Streifenwagen der Polizei mit heulenden Sirenen auf uns zugerast, von See aus setzten sich alle Küstenwacheboote der Welt auch in Bewegung, und die kamen alle in unsere Richtung. Währenddessen schossen die Helden an Deck beharrlich weiter in den Bach hinein, so als ob wir mitten im Atlantik wären.
Erst als sie aus einem der Boote eine ruhige Stimme per Lautsprecher höflich fragte, was zum Teufel sie wohl dachten, wo sie wären, hörten meine Helden auf herumzuballern.
Aber da war auch schon die Polizei von Land aus an Bord.
Höflich wie Engländer nun mal sind, baten die uns alle, in der Messe Platz zu nehmen, denn die wollten erst mal unsere Personalien aufnehmen.
Da aber alle unsere Pässe und Seefahrtsbücher bei Markus im Safe waren, zogen wir alle nach oben und nahmen bei ihm im Büro Platz.
Markus, der kaum auf den Füßen stehen konnte, bot denen einen Drink an, aber die lehnten ab.
Peter bot denen einen Kaffee oder Tee an, aber die lehnten ebenfalls ab.
Nein, die waren nicht zum Kaffeetrinken gekommen, sie waren zwar höflich, aber ihnen war gar nicht nach lustig zumute.
Ein paar der Polizisten kannte der Kapitän.
Die kannten auch das Schiff, und die kannten die Jungs, darum nahm die Polizei den Fall so locker.
Wie unter alten Freunden, während zwei von denen die Nummern der Waffen und die dazu gehörigen Zulassungsscheine überprüften, schrieben ein paar andere unsere Namen, Pass- und Seefahrtsbüchernummern auf.
>Verdammt, Markus, noch nicht mal in unserem Präsidium gibt es so viel Munition wie bei dir hier an Bord<, sagte einer der Polizisten zu ihm.
>Mit allem Drum und Dran sind es 600 Schuss<, antwortete mein Kapitän, als sei das die normalste Sache der Welt. >Waffen sind mein Hobby<, fügte er noch lächelnd hinzu.
>Mittlerweile sind es erheblich weniger geworden, Kapitän.<
>Und jeder Schuss wird dich wohl verdammt teuer zu stehen kommen, mein Lieber<, ergänzte sofort ein anderer der Polizisten in Zivil.
Und dann kamen auch die Herren vom Marinestützpunkt an Bord.
Die blauen Jungs waren nicht höflich, die waren nicht freundlich, die waren nur wutentbrannt und stinksauer.
>Sind die denn alle betrunken?<, fragte der Leutnant, der in Begleitung von vier MP-Leuten an Bord gekommen waren.
>Lass mich euch etwas erklären, Herr Kapitän. Wäre ich zufällig nicht bei dem Wachposten, der euch als Erster lokalisiert hat, dabei gewesen, der hätte euch alle ohne Weiteres mit seiner MG niedergemäht, okay? Gut für Sie, dass ich gesehen habe, wie Sie sich eine Zigarette angesteckt haben und den Hund bei Fuß hatten<, fauchte der Herr Leutnant mich an.
>Nix da<, wehrte ich ab. >Ich bin hier der Chief, das ist der Kapitän<, sagte ich und zeigte dabei versehentlich auf Peter.
>Möchten Sie eine Tasse Tee?<, lallte Peter in seinem Suff den „Man of war“ an.
Der Leutnant fasste sich an den Kopf und für einige Sekunde blieb er da mitten im Raum regungslos stehen.
>Stellt euch mal das vor, ich habe den Wachposten ablösen lassen müssen, der hat vor Aufregung am ganzen Körper gezittert, Mannomann, wir sind alle der IRA wegen in erhöhtem Alarmzustand, verdammt noch mal, und diese Idioten hier, die feuern mit ihren Waffen mitten in der Nacht einfach so herum<, donnerte der Leutnant los, ohne sich um Peters Einladung zu kümmern.
>Das war nicht nett von dir, Markus<, sagte einer der älteren Bullen.
Kurz darauf kamen auch noch mehrere Polizisten in Zivil an Bord, sodass die Bude breschenvoll wurde, und ich fragte, ob ich schlafen gehen könnte.
Jan und ich, als einzige nüchtern und noch im Schlafanzug, konnten gehen, und das taten wir auch.

Am Ende dieser Fahnenstange konnte der Kapitän seine Waffen an Bord behalten, da wir im Freihafen waren, wurden die nicht beschlagnahmt und von der Polizei in Gewahrsam genommen, sie wurden nur weggeschlossen, und das Schloss wurde von der Polizei verplombt.
Markus musste sich aber ein paar Tage später vor Gericht verantworten.
Er bekam eine saftige Geldstrafe aufgebrummt, mehr nicht.
Wie viel es war, weiß ich nicht, er hat mit mir nie darüber geredet, und ich habe auch nie danach gefragt, und Tageszeitungen brachten die Agenten von da an auch nicht mehr an Bord.
Von da an hatten wir die Polizei jeden Tag an Bord, sie kamen und kontrollierten ihre Plombe am Waffenschrank, sie kamen immer morgens und manchmal auch am Abend.
Und nein, Markus und seine Helden ballerten von da an nicht mehr mitten in der Nacht im Hafen von Plymouth herum.

sabato 4 ottobre 2008

MASTER MARINER AND COMMANDER MY ASS

Warum wir zu erst nach Palma de Mallorca fuhren und nicht, wie es mir logisch zu sein schien, nach Valencia, wurde mir nach unserem Festmachen in Las Palmas vom Kapitän höchstpersönlich erklärt.
Also die Sache war die, Valencia wäre zwar der erste Hafen auf unserer Route gewesen, den konnten wir aber aufgrund der Stabilitätsberechnungen des Kapitäns nicht anlaufen.
Durch die Beschaffenheit des Laderaums war es ihm in Wollgast möglich gewesen, den Raum nur durch 3 mit den Trennschotten, zu teilen.
Die Räume vor und achter, waren mit je 1000 Tonnen Getreide belegt worden, währen der mittlere Teil mit die restliche 1500 belegt worden war.
Nun, so der Kapitän, sein Problem war das, wenn er die 2000 für Valencia zu- erst gelöscht hätte, dann hätte sich der Dampfer in der Mitte gebogen.
Meine Fresse, wir wären wegen ein paar jämmerliche Tonnen Restladung, wesen druck mittschiffs, er, auf Grund seine Berechnungen mit den fast 1200 Tonnen Ballastwasser, die er zur Verfügung hatte, gar nicht kompensieren könnte, in dem Mare Nostrum abgesoffen, oder zu mindestens den Dampfer zu Schrott gefahren, sagte mir in seiner immensen Weisheit der Herr Kapitän.
Fuck, war dieser Spinner von einem Kapitän auf Zack, der Affe war aber noch nicht mal der Schatten einem Argonuten.
Argonut sein heißt bei mir am Erste stelle Argonaut, ein Master Mariner and Commander, zu sein, ein Mensch der hohen Schiffbefähigungskunst also, der sich nur etwas später, sei es durch eigennütziges Denken oder Servilismus dem Reeder gegenüber, als gefährlicher und unberechenbarer Seefahrtzwitter entpuppte, als Argonut also.
In Las Palmas beim Löschen, fickte der Arsch mir die Ballasttanks so der- maßen herum, dass ich am Ende selbst nicht mehr wusste, wo was war, sodass ich, um mir einen genaueres Bild des Ballast zustand des Schiffes verschaffen zu können, all die Ballasttanks Durchpeilen musste.
Sauer auf den Mann wurde ich langsam auch, denn ich hatte keine Lust mehr wegen der Trottel, den ganzen Tag Hafenwasser umzuwälzen.
>So wie ihr den Dampfer löscht, wird es nicht gut gehen. Steuermann, so lassen uns die spanischen Hafenbehörden erstmal gar nicht auslaufen. Was Getreideladung betriff, dürfen Laderäume nur voll mit Bulkladung gefahren werden, ihr habt Restladung in alle 3 gelassen, das geht nicht gut. - <
Sagte ich zu dem Steuermann, als wir uns an Deck trafen.
Was war geschehen?
Nach der Durchpeilung der Ballasttanks, hatte ich aus lauter Neugier kurz über die Kante in Laderaum geschaut, und was ich da gesehen hatte, hatte mir nicht gefallen.
Der Herr Kapitän, kraft seines Amtes als Oberaffe an Deck, hatte nämlich von allen 3 Teilräumen Ladung löschen lassen so- dass wir nun in jedem der Teilräume ein Freiraum von über 6 Metern, von der Restladung bis zur Oberkante Ladelukensüll vorweisen konnte.
Wegen der Rutschgefahr des Getreides teilt man auf vielen Schiffen den großen Laderaum mit fahrbaren Schotten in kleinere Sektionen.
Dieser Sektionen werden so eingeteilt, dass jeder von denen beim Laden, voll bis zur Oberkantenlippe wird. Damit verhindert man, dass das Getreide sich in den leeren Raum schifftet und so, besonders bei Schlechtwetter wo diese Gefahr, der Schaukelei wegen am größten ist, das Schiff zum Kentern bringt, so wie im Fall des Segelschiff „Pamir“, zum Beispiel.
>Das habe ich ihm auch erklärt Meister, er behauptet aber, das stabilitäts- mäßig alles in Butter sei. -< Mehr sagte der erfahrener alte Großfahrtkapitän, der um seine magere Rente abzurunden, als Steuermann auf Kümos fuhr, nicht, es war aber genug.
Der Herr Kapitän war also nicht nur in Sachen Getreideladen und Bulkladung ein ungeschriebenes Blatt, er schien auch, nicht nur beim Schlechtwetter ängstlich zu sein, sondern auch eine große Portion dreiste Ignoranz zu besitzen.
Man spricht nicht von guter Stabilität eines Kümos, wenn man 1500 Tonnen Getreide wahllos in die drei Teilräume des Laderaums verteilt hat, denn sogar eine leichte Dünung, würde auf See das Schiff in Schwierigkeiten bringen.
Schlimmer noch, der Steuermann bestätigte mir, dass der mittlere Teilraum einer Fassungsvermögen von genau 1500 Tonnen hatte, und dass der unerfahrene Kapitän, seinen Rat, den Mittlerraum voll zu belassen und nur die vorderen und hinteren Räume mit je 1000 Tonnen Getreide in Las Palmas zu löschen, in den Wind geschlagen hatte.
Hinzu kam, dass die Ladung nicht gleichmäßig in den Räumen verteilt war, wobei so nach Augenmaß, von oben aus gesehen, in dem achterlichen Teil jedes Raums eine Ladungs- tiefe von ungefähr einem Meter, gegen die zwei Meter der vordere Teil, in etwa standen.
Wäre die Ladung gleichmäßig im Raum verteilt gewesen, theoretisch, so der Steuermann, bei spiegelglatter See und die hatten wir ja, hätte man ohne Weiteres die 12 Stunden Fahrt nach Valencia machen können, so aber nicht.
An dem Abend kam es, wie es kommen musste, der Agent erschien gegen 16 Uhr an Bord, um das Schiff auszuklarieren und kurz darauf rückte auch jemand von der Hafenbehörde an und der hinderte uns, der Gefährlichkeit der Ladungs-Verteilung wegen, auszulaufen.
An dem Abend wurde es noch lustig.
Der Mann vom Hafenkapitänsbüro verlangte auch noch ein Stabilitätsplan, zu sehen.
Daraufhin setzte sich unser Kapitän an den Ladecomputer und in null Komma nix spuckte die Klitikliklick- Maschine einen positiven Stabilitätsplan aus.
Der Resultat besagte, dass mit so und soviel Ladung in Laderaum verteilt, keine Gefahr für Leib und Seelen der Besatzung bestand.
Nix da, Kameraden, Scheiße hoch 3 war angesagt ,denn der Mann vom Hafenamt war eine von der sturen Sorte und gar nicht auf lustig angelegt.
Scheiße, blöd war er auch nicht, denn er ließ sich nicht beirren und akzeptierte, den vom Computer ausgearbeiteten Stabilitätsplan nicht.
Weil er nicht nur ein Kerl der sturen Sorte, sonder auch noch eine von der verbohrten Sorte war, verlangte der uneinsichtige Beamte mit dem Hinweis, dass maschinell hergestellte Stabilitätspläne nicht akzeptabel sind, weil Computer Programmen, wenn auch zuverlässig, immer noch manipulierbar waren, einen von Hand geschriebenen Stabilitätskonzeptplan, zu sehen.
Anatomisch gab’s in dieser letzten Hinsicht überhaupt kein Problem, denn die Hirnkaste des Kapitäns war zwar auf seinem, von Gott vorhergesehenen Platz, die musste aber leer gewesen sein, denn sonst hätte er von Anfang an, den Rat vom Steuermann befolgt und der Ladung im mittleren Bereich des Laderaums nicht berührt.
Die Hände waren auch da, wo Gott es vorgesehen hatte, denn sonst hätte der Herr Kapitän sich nicht, ratlos, wie er war, an seiner leeren Zerebrumschatulle, kratzen können.
Das war aber auch alles, was er in Anbetracht des Problems machen könnte.
Katastropheneinsatz war also angesagt.
Auf der einen Seite konnte der Alte nur mithilfe des Taschenrechners, keinen Stabilitätsplan für das Schiff zustande bringen, denn der Herr Kapitän hatte wohl nicht die geringste Ahnung wie man so einen Stabilitätsplan ausrechnet, ohne die Klitikliklick Maschine die, die Arbeit für ihn tat, war der Kapitän aufgeschmissen und hilflos wie ein neugeborenes Baby.
Auf der anderen Seite wollte der Hafenamtsmann etwas Handgeschriebenes aufs Papier sehn, Handgeschriebenes das der Kapitän ihm nicht geben konnte.
Es war wirklich Kacke hoch drei, und die Blamage war perfekt.
All die Mühe, all die Arbeit, all das Schwitzen und das Fluchen, was er, unter Beaufsichtigung eines erfahren Großfahrtkapitäns, wie seine herzkranker Steuermann war, während der Reise von Ostdeutschland nach den Balearen zu, vergeudet hatte, um das Ladungsprogramm des bestialisch querköpfigen Computers zu bedienen waren von der Katz gewesen. Hinzu kam, dass dem Hafenonkel von nix hören wollte und verlangte, mir nix dir nix, einen von Hand hergestellten Schiffsstabilitätsplan.
In der Zwischenzeit aber waren es schon 17 Uhr geworden, und der Hafenamtsbeamte machte erstmal Feierabend und ging, mit dem Hinweis am nächsten Tag wieder zu erscheinen, erstmal zu Mama nach Hause.
Es nütze alles nichts, der Steuermann nahm die Angelegenheit in die Hand und produzierte am nächsten Tag den gewünschten Stabilitätsplan, der, ja, einen für das Schiff mehr als gute Stabilität aufweisen konnte.
Die Ladung aber war zu unüberlegt verteilt worden und entsprach nicht mehr den neuen Sicherheitsbestimmungen, denn falls wir auf See in einen Jahrhundertorkan hineingetappt wären, hätte die Ladung in Laderaum lag, sich verschieben können, und wir währen garantiert abgesoffen.
Argumentierte der Hafenamtsmann, und hatte natürlich damit recht.
Als der Agent und der Mann von Hafenamt von Bord gingen, stand ich neben der Gangway und rauchte, sehnsüchtig vom Schiff aus in die Gegend schauend, eine Zigarette.
>Kommt überhaupt nicht in Frage, das Schiff beleibt so lange hier, bis die Ladung gesichert ist, - < hörte ich dem Hafenmann zum Agenten sagen, als die beiden an mir vorbei zogen und an Land gingen.
Das ist alles, was ich verstehen konnte, mehr nicht, denn die beiden waren kurz darauf von Bord.
Viel war es nicht, was ich da, mitbekommt, hatte, aber mehr als genug.
Kurz nach dem Abendbrot, gingen der Kapitän und der Steuermann an Land, auch einige unserer Matrosen aus Kiribati marschierten los, so- dass am Ende nur der Wachsmann und ich an Bord geblieben waren.
Angesicht dessen, ging ich auch kurz an Land, ich besorgte mir Ibero-Schinken und Chorizzowurst, Schafskäse und dicken schwarzen Oliven, die Bild Zeitung und Frischbrot, kaum eine Stunde später aber, so gegen 20 Uhr, war ich zurück an Bord.
Unsere Ladungsburleske in Las Palmas dauerte über eine Woche.
Verdammt noch mal, wegen der Scheiße, blieben wir über eine geschlagene Woche, fest an dem Stand-by Pier.
Denn am nächsten Mittag, nachdem der Hafenonkel unserem Kapitän mitgeteilt hatte, dass er aufgrund der bestialischen Verteilung seiner Getreideladung an Bord nicht auslaufen konnte, wies er ihn an, zu dem Stand-by Pier zu verholen, und das war’s.
Der Herr Kapitän sagte nix, der Steuermann sagte auch nix, ich fragte nix, und die Jungs schauten dem ganzen Tag bis spät in die Nacht fern, und schliefen bis Mittag.
Die Jungs schauten fern, und schliefen bis Mittag, weil die nix tun konnten, die könnte weder malen noch sonst was tun denn all die Farbe hatte der Rasmus in der Mitte der Biskaya, für sich beansprucht, und gleichmäßig dem Kabelgatt Aufgebauten, die Leinen, und alles was da herum lag, voll damit gekleistert.
Nach zwei Tagen Dauerschlaf taten mir die Jungs so der maßen leid, dass ich dem Steuermann fragte, ob ich die für einen Tag mit mir in den Maschinenraum nehmen konnte.
Er hatte nicht einzuwenden, so nahm ich die Jungs mit, und so während drei davon mit dem Waschen der Maschinenraum anfingen, fing ich an mit dem jüngeren von denen, der mit dem dritten Steuermannspatent auf großer Fahrt, fing ich dem Ruderraum Inventar aufzunehmen.
An dem Abend gab ich die Jungs, zum Dank für ihre Hilfe eine Kieste Bier aus, und da ich im Maschinenraum noch eine vollen Eimer weißen Lachfarbe hatte, lies ich sie, um das Bier auszuschwitzen, am nächstem Tag der Bugstrahlraum damit malen.

Unsere Festmacherleinen vorne, dank der Farbe, die das Wasser im Kabelgat hin und her geschleudert hatte, sahen so bunt, so grün, so braun, so signalrot und weiß und gelb, ja so lebendig aus, und schienen wie von einem sehr begabten Rasmus bemalt worden zu sein.
Diesen so bunten Festmacherleinen, fast lebendig vom Schiff zum Land hängend,, sahen wie surrealistische Picasso Farbstrichen in der Hafenlandschaft aus, und passten und vermischten sich, wie dafür geschaffen, innig und anmutend in die Insulaner Landschaft hinein.
Alles war so richtig kreativ, so künstlerisch vielsagend, ja großer Gott, fast atemberaubend hinreißend und belehrend, und so feinsinnig und formvollendet zu gleich, dass einem, bei dem Anblick von solche fantasievollem Rasmussisechem malerisches können, gleich warm ums Herz wurde.
Am nächstem Tag rührte sich bei uns an Bord immer noch nix und dem Herrn Kapitän schien abwesend, zu sein.
Nicht anwesend im Geist meine ich, denn der löffelte mittags in der Messe brav und artig seine Suppe weg, aß zu Abendbrot und genau so wortkarg und abwesend,, wie er gekommen war, verschwand er wieder in seiner Bude.
Am siebten Tag des Herrn, wo unser Aufenthalt an der Pier, mir langsam auf dem Geist ging, marschierte ich zum Agenten, und von dort rief ich bei der Reederei in Duisburg an.
>Ich höre nur von Ladungsproblemen, kein Mensch sagt mir genau, was los ist. Was zum Teufel wollen die Hafenbehörden, was ist mit der Ladung los, wann werdet ihr endlich auslaufen? <
Himmel, hatte der Reeder fragen an mich, und was schlimmer war, der wusste von gar nichts, denn so, wie ich ihn verstand, er war der Meinung, dass wir immer noch am Löschen, waren, es schien mir wirklich so, dass der Heer Kapitän, genau so wie der Agent auch, ihn über die gesamte Angelegenheit, ihm, im Dunkel gelassen hatte,
>Fünfzehnhundert Tonnen Getreide sind ungleichmäßig durch die drei Teilräume verteilt. Aufgrund dessen lässt uns dem Hafenkapitän, solange die Restladung nicht in einem einzigen der Teilräume umgeladen wird, nicht auslaufen. Lassen Sie den Agenten uns leere Säcke an Bord bringen, so können wir an einem Tag in alle drei Räumen die Säcke auffüllen und auf der Restladung legen. Wenn das nicht geht, dann werden Sie wohl leider ein Kran und einen Löschgang bestellen müssen, damit die der Ladung umschifften <
>Danke Meister wir übernehmen die Angelegenheit von hier aus<
Wie immer legte der Reeder auf, ohne auch nur „Guten Tag“ zu sagen.
Bis zum Abendbrot hatte der Reeder von Deutschland aus alles organisiert, wir mussten aber noch drei Tage warten, denn da hatte sich ein Frachter gemeldet und der hatte, um die Zehntausend Tonnen Getreide zu löschen.
Erst danach kamen wir eines schönen sonnigen Morgens wieder dran.
An derselben Pier, wo wie gelöscht hatten, warteten an dem Morgen ein Kran und einigen Hafenarbeiters auf uns, und die gingen sofort bei, unsere Restladung umzuschlagen.
Die Leute nahmen sich Zeit, es war ja ihr Geld, die arbeiteten nach dem Motto: More houers, More Dollars, und ich könnte denen es nicht verdenken.
Am gleichen Tag liefen wir endlich gegen 16 Uhr aus, aber ohne den Kapitän, der wurde nämlich noch am selben Tag abgelöst von einem langjährigen Mitarbeiter der Reederei, der extra dafür aus dem Urlaub abgerufen worden war.
Zwölf Stunden später liefen wir in den Hafen von Valencia ein, wo wir der Restladung mit einer elftägigen Verspätung ablieferten.
Dieser Traurige „Opera buffa“ in Palma de Mallorca auf die Balearen, hatte insgesamt 10 tagen gedauert.

giovedì 4 settembre 2008

MASTER MARINER AND COMMANDER... MY ASS.

Aus:MSKR N° 5. VON ANDEREN GESCHCHTEN UND EPILOGE

fortsetzung

...Der Ablöser der Simulant war nun auf der Brücke der NEMUNA und wir liefen in der Bucht von Las Palmas dem Hafenlotsenboot entgegen.
Der Kerl war, so weit ich es beurteilen konnte, kerngesund, er war aber auch ein Simulant.
Er war aber noch gefährlicher und obenauf eíner von der übelsten Sorte, die ich kannte, denn er simulierte ein Schiffskapitän zu sein.
Nix, aber auch nix an Bord eines Schiffes ist schlimmeres, als ein Mann der simuliert, ein Schiffskapitän zu sein.
Wenn der Arsch noch felsenfest der Meinung ist, auch noch ein guter Schiffskapitän zu sein, dann ist das Schiff mit Mann und Maus wirklich in unmittelbare Lebensgefahr.
All der Scheiß fing in dem Biskaya an, eigentlich das Ganze fing schon in Wollgast beim Lade des Schiffes an, denn dort, innerhalb von 4 Stunden, bei einen bis zum Oberkantenlippe mit Getreide geladener Schiff, wurde mir dreimal der Ballastplan geändert
Zu erst, so wie es sich gehört, bekam ich der Ballastplan von dem Steuermann und der war sehr einfach: denn es besah nur leeren Tanks, so machte ich mir daran die Ballast Tanks mit meine beide Lenzpumpen leer zu pumpen.
Kaum eine halbe Stunde später, kam der Kapitän in Maschinenraum und fragte nach dem Ballast zustand des Schiffes, ich zeiget ihn der Ballast Plan und erklärte ihm, dass ich die Vore Peak und Tank Eins Mitte, grade am Lenzen war.
Der Master Mariner and Commander, nahm dem Ballastplan an sich, und ohne ein Wort zu sagen, ging er, dreist und entschlossen dahin blickend, die Treppe hoch, aus dem Maschinenraum.
Bis dahin hatte ich schon die ersten beiden Ballasttanks gelenzt, da keine anderen Anweisungen vorlagen, hatte ich die Pumpen abgestellt und war Kaffee trinken gegangen, denn mittlerweile waren 10 Uhr morgens geworden und es war Kaffeezeit.
Wir später trafen wir uns wieder in die Messe, wo er mir, mit dem Hinweis das Er nun der Kapitän war und daher für die Sicherheit des Schiffes und Ladung zuständig, druckte mir der Herr Kapitän, ein neuer Ballastplan in die Hände.
Der neue ausgearbeitete Plan vorsah, dass nur die Hefte von all den Ballasttanks, hätten, leer sein sollten, und das, bei 3500 Tonnen Getreide und bei vollem Laderaum.

>Also die Vore Peak muss auch wieder vollgemacht werden, < sagte ich, als ich mir die neue Ballast Anweisungen sah.
>Machen Sie aber erst all den Seitentanks leer und dann machen Sie Bitte die Vore Peak und dem N° 1 wieder voll Meister<
>Geht klar, < hatte ich geantwortete und an meinem Kaffee weiter geschlurft. Der Kapitän ging, der Steuermann kam gleich darauf auch, zu Kaffee trinken in die Messe.
>Ich habe hier eine neuer Ballastplan Steuermann, < sagte ich und zeigte ihm dem Zettel. Er schaute sich in alle Ruhe dem neuen Plan am, murmelte er so was wie:
>Der hat keine Ahnung, < er sagte aber nicht mehr dazu und ich ging in Maschinenraum dem Ballast, rauszuschmeißen.
Gegen 15 Uhr war ich damit spielen fertig geworden, ich meldete das Ende der Ballast lenzerei auf der Brücke via Interkom weil komisch, wie es klingen mag, das Schiff ohne Telefon geboren war, und legte kurz danach dem Ballastzettel mit meiner Unterschrift in die Messe und der Fall war für mich gelaufen.
Von Land aus, die Hafenarbeiter waren schon früh am Morgen mit dem Laden des Schiffes angefangen, die hatte aber wegen Ladungsmangel um die Mittagszeit mit dem Hinweis das die am Nächsten morgen um 6 Uhr, wieder anfangen wollten, aufgehört.
Mein Ballast war raus, auf meine Arbeitszettel hatte ich nicht Wesentliches drauf und so machte ich, wie all die anderen an Bord auch, erstmals Sense.
Der nächste Tag verlief ruhig, es mangelte an Ladung und daher wurden wir nicht fertig, ich hatte meinem Arbeitspensum erledigt und lungerte nur herum und vertrieb mir die Zeit fast belanglose Aufräumungsarbeit in der Werkstatt und wünschte mir wir wären schon auf See.
Lustig wurde es an dem Tag danach früh am Nachmittag, wo es um die letzen 50 Tonnen Ladung ging.
Platz da für, im Laderaum Achter, hatten wir ja genug, des neuen Ballastplan wegen aber, waren wir laut Steuermann, auch schon überladen und das auch noch nicht mal wenig.
Zuerst bekam ich vom Kapitän die Anweisung Tank Nummer 2, zu lenzen, ich tat es sofort.
Danach bekam ich, immer vom Kapitän, die Anweisung beide Seitentanks Nummer 4 vollzumachen, dass tat ich auch auf der Stelle.
Danach immer vom Kapitän, kaum eine halbe Stunde später, nachdem ich das Hafenwasser von Wollgast, wieder ein wenig umgewälzt hatte, bekam ich die Anweisung Seitentanks Nummer 3 aufzufüllen und den beiden 4 wieder leer zu lenzen, ich tat es ohne widerrede.
Danach teilet eine völlig verstörte Kapitän mir mit, dass beide 4 doch vollzumachen wären und die 3 wieder leer, ich hatte nichts zu tun und ich fand das lustig, ich fragte noch nicht mal, was der Scheiß bedeuten sollte, ich tat es, basta.
Als der Laderaum dann dichtgemacht wurde, trimmte ich mit meinen Brennstoffstanks das Schiff grade und wartete ab.
Wir liefen gegen 15 Uhr aus, wir gingen in der Nordsee via Kielkanal, wo wir, um die 200-Liter-Schiffsfarbe und 50 Liter Farbverdünnung an Bord bekamen. Später, weil die von Deck in Wollgast Frischwasser zu bunkern vergessen hatten, in Brunsbüttel, wo es wirklich gutes Trinkwasser gibt, frischten wir auch unseren Frischwasservorrat auf und ab ging die Post Richtung Balearen.
Wir konnten zwar selbst Frischwasser an Bord produzieren, in der Ostsee setzte ich aber das Ding nicht in Betrieb, das Wasser dort ist, zu versaut.
In der Nordsee ist das Wasser auch nicht gerade gut und nicht zum Frischwasser Produktion mit Bordmittel geeignet.
Erstaunlicherweise gab es ja Argonuten die das nicht wahr haben wollten und mich drängten, auch in der Ost und Nordsee Frischwasser zu produzieren, ich hab’s nie getan und die ordnungsgemäß zum Teufel gejagt.
Fuck them!
Bis zu Mitte der Biskaya lief alles gut, dort aber bekamen wir einen auf den Sack, aber so einen auf den Sack, dass die gesamte Heide zu wackeln anfing.
Es war kurz vor der Kaffeepause, als ich von der Mannschaftsmesse aus, an dem Tag nach vorne über die Luken schaute, wo grade ein Brecher überm Schiff brach, der Idiot fand nicht Besseres zu tun, als uns fast unter wasser zu drücken.
Erst dann merkte ich, dass wir verdammt kopflastig waren, und dass der Kapitän auf einmal neben mir in der Mannschaftsmesse stand.
Der Mann war kreidebleich und gar nicht gut zuwege, ihm ging´s sogar beschissen, er war nicht seekrank, der Mann hatte Angst verdammt noch mal, dem Onkel stand die blanke nackte Angst ins Gesicht geschrieben.
> Wir sollten lieber die Vore Peak rauswerfen, Kapitän, da kommt viel zu viel Wasser an Deck, und geben Sie bitte etwas weniger Fahrt, die Maschine arbeitet zu hart,< sagte ich so beiläufig und ruhig wie möglich.
>Gute Idee, Meister, ich wollte mir nur etwas zum Essen holen, aber machen sie das bitte, Pumpen sie die Vore Peak aus, < antwortete der Arsch und ließ sich vom Koch ein paar Scheibenbrot mit Käse schmieren.
Als ich eine gute halbe Stunde später, wieder von der Mannschaftsmesse aus, nach vorne schaute, war das Schiff etwas höher mit der Nase gekommen, der Kapitän hatte auch die Fahrt reduziert, und an Deck kam fast kein Wasser mehr.
Erst am Tag danach, als wir an Finistère vorbei in Richtung sonniger Süden marschierten, beruhigte sich Rasmus, der Herr der Stürmer ein bisschen, er kam nun schräg von achtern und nicht mehr von vorne, die Maschine lief wieder mit 80 % Last und unsere Welt war wieder in Ordnung.
Bei Aveiro dann war das Meer spiegelglatt und die Jungs gingen wieder ihrer gewohnten Arbeit an Deck nach.
An dem Morgen aber lag etwas Ungewöhnliches in der Luft, die Jungs aus Kiribati gingen mir ungewöhnlich schnell aus dem Weg, und als eine von denen mich im Maschinenraum nach unserer elektrischen tragbaren Wasserpumpe fragte, wurde ich stutzig.
Bevor ich aber die kleine Wasser- schleudere, hergab, fragte ich, warum die auf einmal so was brauchten, und etwas verlegen, antwortete mir der Junge, dass das Kabelgatt vorne abgesoffen war.
Unterwegs zum Vorschiff traf ich zu meiner Überraschung, auch den Kapitän, der ebenfalls dorthin auf dem Weg war.
Der Mann verließ während seiner Wache ein bisschen zu oft die Brücke.
Wie`s am Tag davor der Fall gewesen war, als er sogar bei steifen acht Windstärken seine Wache verlassen hatte, latschte nun der Master Mariner and Commander, während das Schiff solo lief neben mir über die Decksluken, zu dem abgesoffenen Kabelgatt.
Anscheinend hatte er noch nie gehört, dass Schiffe, zu jeder Zeit und ohne Vorwarnung, aus welchem Grund auch immer, was unter Umstände sogar tödlich enden könnte, aus dem Ruder laufen können, dachte ich mir, als ich unserem Wegweiser auf See, übers Deck latschen sah.
Im Kabelgatt gab’s Land unter, aber so viel von Land unter, dass, das Wasser fast die Einstiegsluke zum Bugstrahlruderraum, die um die 80 Zentimeter über dem Boden war, erreicht hatte.
Träge, fast gleichgültig schwebte das schmutzige Wasser im Kabelgat hin und her.
Aus den unteren Fächern der Regalen hatte es all die Farbtöpfe die da waren für sich in Anspruch genommen. Während der Nacht, als Rasmus noch am Toben war, sozusagen aus lauter Tätigkeitslust, mit denen Fußball gespielt und aufgeschlagen. Nun also die 200 Liter weiße Farbe, die wir in Holtenau ein paar Tage davor bekommen hatten, schwabbelten mit dem Wasser hin und her, und alles sah äußerst bunt und irreal aus.
Auch die 50 Liter Farbverdünnung hatte das Wasser mitgenommen und gleich verdünnt, man konnte in dem Raum kaum Atmen und die ätzenden Gase, brannten uns wie Feuer in den Atemwege und Augen, das es kaum auszuhalten war.
Wortlos, während all die anderen sich unschlüssig sich umschauten, starrte ich von der Treppen zum Kabelgat, dem dortigen Raumlüfter, und ging wieder an Deck, weil mir die Augen schon zu Tränen anfingen.
Beim Bau des Schiffes hatte man an Deck, um die Arbeit mit den Festmacherleinen zu erleichtern, neben der Ankerwinde, ein 140-Millimeter-Rohr, das drunter zum Kabelgatt führte, eingeschweißt.
Dadurch konnte man die Festmacher- leinen an Deck hieven, oder in Kabelgatt drunter Fieren, ohne den umständlichen Weg über die Treppen damit zu gehen.
Das Rohr war so um 1 Meter hoch und hatte eine schöne niedliche mit roter Farbe bemalte Verschlussklappe oben drauf verpasst bekommen.
>Diese Verschlussklappe ist da, damit man sie auf See auch verschließt. Die rote Signalfarbe ist da, damit die Verschlussklappe, wenn man hier an Deck kommt, einem sofort ins Auge sticht. Bleibt aber die Klappe auf See offen und wir geraten in Schlechtwetter und Wasser kommt an Deck, meine Herren, dann säuft uns das Kabelgatt ab. - <
Mehr, während ich die nur ans Rohr angelegte Verschlussklappe voll aufmachte, um die Luftzirkulation drunter im Kabelgatt zu erhöhen, wollte ich nicht sagen, dann aber doch.
>Und lasst uns hoffen, dass kein Wasser unten in den Bugstrahlruderraum eingedrungen ist, - < sagte ich noch ergänzend, zu der betrübten Besatzung.
Mittlerweile war auch der Steuermann an Deck gekommen, er war hinzugekommen, weil er, so wie er sagte, nicht schlafen konnte.
Er hatte das muntere Treiben an Ankerdeck von seiner Kabine aus gesehen, neugierig und verwundert über die recht ungewöhnliche Volksversammlung an Deck war er also nach vorne gekommen, er stand auch nun, da wie Pik 7 und schaute von oben, konsterniert auf das bunte Aquarium im Kabelgatt.
Nun also, während der Koch ganz allein achtern in seiner Kombüse die Pfannen schwenkte und die NEMUNA mit 12 Knoten furchtlos und würdevoll über die heiligen spanische Fischerei- gründe glitt, jagten einigen Fischereikutters links und recht an uns vorbei, dass es eine wahre Wonne war, sie anzusehen.
Währenddessen aber standen unsere furchtlose Argonauten mit Argos Augen vorne auf der Back und diskutierten konfus über das wie und mit was man, so schnell wie möglich das Wasser aus dem Kabelgatt raus holen könnte.
>Damals, wenn wir auf See einen Fischkutter kreuzten, schwenkte der Kapitän von der Brücke aus eine Whiskyflasche, meistens kam dann der Kutter längsseits und schon hatten wir Frischfisch zu Mittag, ob das heute auch so geht? < Fragte ich die unerschrockenen Argonauten neben mir.
Beiden schaute sich um und beide, wie vom Teufel getrieben, gingen flink und wortlos nach achtern zurück.
>Ihr habt alle schon gesehen, wo ich den Wasserstand in der Vore Peak im Kabelgatt peile, nehmt also die Verschlusskappe vom Peilrohr ab und lasst erstmal das Wasser dorthinein gurgeln. Nach dem Kaffee werde ich es vom Maschinenraum aus mit der Ballastpumpe die Vore Peak lenzen, den Rest werden wir dann mit der tragbaren Elektropumpe nachlenzen, < erklärte ich dem jämmerlichen Rest der Deckbande, und ging angewidert von soviel Nachlässigkeit, nach achtern zurück.
Das Wasser aus dem Kabelgatt konnte ich erst gegen 15 Uhr via dem Vore Peak lenzen, und kurz vor Feierabend dann, war der Boden des Kabelgatts wieder trocken.
In dem Bugstrahlraum fand ich zum Glück kein Wasser so- dass alles in allem also, außer dem Verlust von 200 Liter Farbe und 50 Liter Verdünnungsmittel, keine allzu großer Schaden entstanden waren.

fortsetzung folgt

martedì 5 agosto 2008

LAVAMUS MANUS

Die Pontius -Pilatus Syndrome.

„Er wollte nicht mehr.“
„Er hat sich aufgegeben.“
„Man kann nicht für ihn tun, er will es so, gegen den menschlichen Willen sind wir als Seemannsmissionare machtlos. Wir können nur abwarten und hoffen, dass man uns aufsucht.“
.Unsere Tür ist übrigens stets offen für ein Gespräch.“
So etwas bekommt man von den Seemannspastoren der Welt zu hören, wenn ein Seemann als langjährige Bewohner des Seemannsheims einsam stirb und man fragt, warum der Mann allein gelassen wurde und man ihn einsam verwahrlosen ließ.
Gewiss, der konsequente übermäßige Konsum von Alkohol spielt eine wesentliche Rolle in dieser allzumenschlichen Tragödie.
Der Alkoholsucht ist letztendlich tödlich und der Weg dorthin ist lang und beschwerlich.
Für älteren Alleinstehenden ehemalige Seeleute jedoch befindet sich der Anfang des Weges genau dort, wo die Ausflaggung der Handelsflotte begann.
Am Ende des Weges steht wie im Fall unseren Freund Ricky seine einsames Kollabieren in der gemeinschaftlichen Küche des Seemannsheimes nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt, von wo er Tagen zuvor, als geheilt entlassen worden war und der tot nach der Weiterlieferung in Krankenhaus.
Einigen Jahren davor verloren wie Manny, und kurz davor starb auch der schwerkranke Richard alleine in seiner Kammer.
Auch Richard starb kurz nachdem er, als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen worden war.
Den schwer an Krebs erkrankte und Zuckerkranke Richard wurde viel zu früh aus dem Krankenhaus entlassen, er war pflege bedürftig, leider ist das Seemannsheim keine Pflegeanstalt.
Die Katakomben der ersten Etage des Hauses, dort wo wir, die Glorreichen 14 leben ist kein guter Ort, um zu sterben.
Die Angestellten des Hauses sind, wenn auch sehr hilfsbereit und zuverlässig, keine Krankenpfleger und erstmal gar nicht für schwerkranke ältere Männer.

Zwischendurch auch Fischdampfer Werner, der durch Kreislauf und Asthma leiden schwer erkrankt Haudegen, starb auch nach seinem zweiten Herzinfarkt, alleine in seiner Wohnung.
Auch er war ein paar Mal im Krankenhaus wegen Herz- und Kreislaufbeschwerden gewesen.
Auch er wurde kurz vor seinem tot als geheilt entlassen.
Auch hier war beängstigender Einsamkeit und Alkohol im Spiel.
So erging es auch Manfred, Charly, Hans und all den anderen, an deren Namen man sich fast nicht mehr erinnert, am deren Gesichter und an deren Stimme und vor allem, an deren Geschichten aber schon.
All dieser Männer hatten etwas gemeinsam, es waren alles alleinstehend ehemalige Matrosen, die im Laufe der Zeit von Bord ihrer ausgeflagten Schiffe irgendwann durch Billigeres, Bequemeres, nicht Kritisches personal aus Asien, abgelöst worden waren.
Damals genau so wie heute war es nicht einfach für ausrangierten Matrosen, einen Arbeitsplatz an Land, zu finden.
Heute zutage ist es sogar noch härter, wenn nichts schier unmöglich geworden.
Dank dem blinden Gehorsam inkompetenter Politiker.
Das Diktat des Verbandes deutscher Reeder und deren Lobby, ausgemacht aus Gefälligen spinn Journalismus und Scheißhausparolen-Patrioten, die sich kräftig in gewinnbringenden Anschreibungstransaktionen auf dem Rucken der Bevölkerung und des Landes eine goldene Nase verdienen, ist es heute sogar für jungen Schiffsoffizier fast unmöglich, einen Arbeitsplatz an Bord zu finden.
Unsere verstorbenen Kameraden waren keine labilen Menschen, denn Seeleute sind nicht labil.
Sie waren betrogene Menschen.
Sie waren ausrangierte Menschen.
Sie waren vergessenen Menschen, deren Existenz, nur als Vorwand für selbstgefälliges zweifelhaftes Missionierungsgeschwätz einiger christlicher Institutionen, die längst, zu anfechtbaren Lobbys in eigener Sache geworden sind.

Sie litten und starben auf erbärmliche Weise mitten unter uns in Mitte Bremen, weil man sie zu früh aus dem Krankenhäuser als geheilt entlassen hatte.
Die starben, weil sie, als sie fast nicht mehr zurechnungsfähig waren, aus dem Krankenhaus flüchteten um an der Theke ihre Stammkneipen, sogar wie in Fall unsere Freund, noch mit den medizinischen Kanülen im Arm, ein Refugium suchten.
Hier haben alle versagt und nicht nur bei Ricky.
Nicht nur die Krankenhäuser mit ihrem überforderten Personal.
Nicht nur das gesamte Gesundheitswesen, das Mediziner und Krankenhäuser zwingt, zulasten der Patienten, sparsam zu sein.
Nicht nur die Politik, die, die in meinen Augen verfassungswidrige Handhabung der Seefahrtssubventionen durch den Verband der Deutschen Reeder, der Ausflaggung der Deutsche Handelsflotte und der Ablösung der deutschen Seemänner durch billigeres Personal, zu erst zugelassen hat, dann geduldet, und ja verdammt noch mal, sogar befürwortet hat.
Auch und vor allem die Gewerkschaften haben hier einen großen Teil der Schuld an der Misere der deutschen Seefahrt und der Seeleute, mit zu verantworten.

Wir geben dem Hafen ein Gesicht, liest man in die Ausgabe N° 2 von „lass fallen anker“ der deutschen Seemannsmission zu Bremen.
Toll!
Wie wäre es wenn man endlich anfangen würde der Seeleute hierzulande, ein Gesicht und eine Würde zu geben und gefälligst aufhören wurde uns zu verarschen, verdammt noch mal.
Es ist weder die Aufgabe der Kirsche noch die der Seemannmission dem Hafen ein Gesicht zu geben, das haben wir mit unserer Arbeit, unserem Können und unserem Engagement, schon längst getan.
Zum Teufel noch mal, der Hafen braucht nicht sandgestrahlt zu werden.
Die Seefahrtspolitik des Landes aber schon und zwar radikal.
Vor allem weil ich immer noch der Meinung bin, dass hier manche Inhalte und Einlagen die Subventionen für die Seefahrt und der Bemannung von subventionierten Schiffen durch billiges Personal aus dem Osten Europas und Fernosten des Globus, unten Verfassungswidrige umständen stattgefunden hat. Deshalb bin ich der Meinung, dass es höchster Zeit ist, dass sich der Gesetztgeber langsam damit befasst.
Von Nöten wäre auch eine Seefahrtsmission und einer Kirche gewesen, die nicht nur gratis urbi et orbi, unter den arbeitslosen Seeleute erteilt und bunten Billigtelefonkarten unter unseren, zu Seefahrenden asiatische Kollegen verhökerte.
Man hätte vor allem engagierten Missionaren und Pfarrers gebraucht die von ihrer Kanzel aus, landesweit gegen die Seefahrtlobby, die, die deutsche Seefahrt als solche am zerstören war, und dem Land schaden zufügte, zu Kampf antraten, die hat es aber nie gegeben.
Statt dessen hat man den dahin vegetierenden Seemann fast vernachlässigt und tröstende Wörter erteilt.: „... unsere Tür steht immer offen für ein Gespräch ...“
Es wurden sinnhafte gefällige Lobby-lobenden Analysen der Seefahrt veröffentlicht und manchem Verband deutscher Reedermitglieder der Hof gemacht und warme Luft. in deren Ärsche gepustet.
Währenddessen durften, die, um die es wirklich geht, als Schwerkranken, mit notdürftiger medizinischer Versorgung, allein und verbitter, auf die Straße, in der Küche, des Seemannsheims zusammenbrechen oder in ihrer Kammer, auf sich allein gestellt, elendig verrekeln.

Auszug aus MSKR N°5 VON ANDERN GESICHTEN UND EPILOGE.
Aus die reihe: EIN HAUFEN VON VOLLIDIOTEN IST AM WERK.

Die Seemannshäuser der Seemannsmission sind voll von Menschen wie ich.
Wir alle, als Restmüll einem einmal Blühenden Zunft, Leben nun als vergessener lästiger Überbleibsel des damaligen Deutschen Christliches Seefahrt fast am Rande der Existenz Minimum und werden bald alle verschwunden sein.
Laut Statistik lebt ein Mann heute zutage 78 Jahre.
So ein Scheiß, da habe ich also laut Statistik noch 15 einsamen Jahren vor mir abzuknabbern, das überlebe ich nicht, ganz bestimmt nicht. Genau so wenig wie einigen den Mitbewohnern und Kollegen von mir, die hier im Seemannsheim am Rande dem Existenzminimum ihrer Dasein fristeten, es nicht überlebt haben.

Wir leben einen notdürftiges Leben, weil man uns belog und schamlos ausnutzte und danach, wie lästiger Müll wegwarf.
Deswegen fristen viele ehemalige Seeleute ihr Dasein auf prekärer Basis in den Seemannshäusern des Landes oder in billigen Sozialwohnungen oder billigen absteigen und können keinen Fuß mehr im Leben fassen.
Am Ende werden wir irgendwann alle irgendwo ganz allein, den Löffel abgeben.
Der Seemannspastor wird dann in der Seemannsheimkapelle eine kurze Andacht halten, danach wird die kleine Trauergemeinde mit dem Minibus der Mission, zum Friedhof hinausfahren, wo eine Urne mit der Asche des Seemanns einsam in der Friedhofskapelle, stehen wird.
Der Seemannspastor wird als Amtsperson der Name des verstorbenen Seemanns auf der Urne bestätige, denn es werden keine Familien-Angehörigen da sein.

Wenn es hoch kommt, werden gerade eine Handvoll Kameraden nach einem kurzen Gebet, einen Friedhofsangestellten das mit der Urne vorweg und dem Pastor hinterher, zu dem Namenlosen teil des Friedhofs gehen, wo einen Loch auf der Wiese, vielleicht 20 mal 20 Zentimeter und grade einen Meter Tief, auf die Überreste von einem von uns wartet.
Man betet, man erinnerte sich noch ein Mal, vielleicht für das aller letzte Mal an den verstorbenen Kameraden, die Urne wird in das kleine Loch auf der grünen Wiese versenkt und von dem Friedhofangestellten in ein paar Minuten dicht geschaufelt.
Grade zehn keine Spaten Erden sind genug um ein kleines Loch in der Wiese zuzuschaufeln, wo eine Urne mit der Asche einem Seemann drin liegt, mehr nicht.
Das weis ich all zu genau, weil ich solchen Schippen Erde schon ein paar Mal gezählt habe, darum weis ich das!
Erde zu Erde!
Asche zu Asche!
Staub zu Staub!
Der Fall ist abgelaufen.

ENDE